Politik
19.03.2012

Lehrer: 30 % mehr Arbeit, 20 % mehr Lohn

Die Regierung ist beim neuen Dienst- und Gehaltsrecht handelseins. Jetzt muss sie den Widerstand der Lehrergewerkschaft brechen.

Schon Ende der 1990er-Jahre hatte es die schwarze Elisabeth Gehrer versprochen; das tat auch ihre rote Nachfolgerin im Bildungsressort, Claudia Schmied – im April 2008. Nun, mehr als ein Jahrzehnt nach der ersten Ankündigung, soll es tatsächlich kommen: ein neues Dienst- und Gehaltsrecht für die Lehrer.

Immerhin ist die Sache politisch akkordiert. Schmied hat gelernt: 2009, als sie den Pädagogen zwei Unterrichtsstunden mehr verordnen wollte, ließ sie nicht nur der damalige VP-Vizekanzler Pröll allein; auch SP-Kanzler Faymann stand ihr nicht bei – und so wurde nichts daraus.

Jetzt hat Schmied den Rückhalt der Regierungsspitzen. Ausverhandelt hat sie das Dienstrecht, das ab September gelten soll, mit Beamtenministerin Heinisch-Hosek, VP-Bildungssprecher Amon und VP-Finanzministerin Fekter. Demnächst will sie das Modell den Standesvertretern präsentieren.

Der Kern: Künftige Lehrer sollen mehr Zeit in der Schule verbringen und mehr unterrichten. Das sei in Ganztagsschulen und für die Nachmittagsbetreuung vonnöten. "Erweiterte Arbeitsplatzbeschreibung" nennt das Schmied. Vorbei sind für sie die Zeiten, in denen es geheißen habe: "Ein Lehrer, eine Klasse, ein Fach, 50 Minuten." Und: Die Direktoren sollten ihr Personal flexibler einsetzen können. Im Gegenzug sollen die Einstiegsgagen höher sein als derzeit, die Gehaltskurve wird im Laufe der Jahre flacher. Mehr Salär am Anfang soll den schlecht beleumundeten Beruf attraktiver machen. Schließlich werden Lehrer gesucht. Bis zum Jahr 2025 geht die Hälfte der knapp 115.000 Pädagogen in Pension.

Das bringt finanziellen Spielraum für das Budget, weil die "alten" teuer sind. Den braucht die Regierung auch, weil das neue Gehaltsrecht wegen der höheren Einstiegsgehälter anfangs mehr kostet als das jetzige. Wie viel sie veranschlagt haben, wollen Fekter und Schmied nicht sagen.

Die Standesvertreter begehren prophylaktisch auf: Sie haben noch im Ohr, was Fekter im November 2011 gesagt hat: Junglehrer sollten sechs Stunden mehr werken, aber nur vier bezahlt bekommen. Am Montag bestätigte Fekters Sprecher diese Position dem KURIER: "30 Prozent mehr Arbeit, 20 Prozent mehr Lohn."

Reaktion von Gewerkschaftsverhandler Walter Riegler via KURIER: "Vom Kanzler abwärts hat es geheißen, die Besten der Besten würden als Lehrer gebraucht. Die werden sich nicht mit einem schlechteren Gehalt locken lassen." Zudem habe Schmied im Parlament kundgetan: "Das Dienstrecht wird nicht unter dem Aspekt von Einsparungen verhandelt." Wobei die Unterrichtsministerin auch gesagt habe, "das Paket mit uns gemeinsam zu schnüren. Und jetzt ist das Paket schon da."

Skepsis

Unter Druck lasse sich die Gewerkschaft jedenfalls nicht setzen: "Seit Jahren warten wir auf ein neues Dienst- und Besoldungsrecht. Warum wurde nichts gemacht, wenn es jetzt so dringend ist?" Dass das neue Dienstrecht schon ab September gilt, kann sich Riegler "nicht vorstellen". Die Direktoren müssten schon im Mai festlegen, wie viele Lehrer mit wie vielen Stunden sie im Herbst verpflichten. "Das geht sich allein vom Gesetzesprozess nicht aus." Insider haben eine andere Erklärung für den Widerstand von Riegler & Co: Die älteren Lehrer, für die das neue Dienstrecht nicht gelten wird, fürchten, wegen der Mehrarbeit der Jungen unter Druck zu kommen. Schlechte Vorzeichen für Schmied, Heinisch-Hosek und Fekter – jene drei Frauen, die den Gewerkschaftern den Sanktus zur Reform abtrotzen sollen.

Die Hälfte geht in den nächsten Jahren in den Ruhestand

Ist-Stand Derzeit sind in den Schulen etwa 114.000 Lehrerinnen und Lehrer tätig. 71.200 davon unterrichten in Volks-, Haupt- und Sonderschulen oder in Polytechnischen Lehrgängen und Berufsschulen (Landeslehrer). 42.800 Pädagogen sind in AHS und BHS (Bundeslehrer) beschäftigt.

Pensionierungen Bis 2025 wird etwa die Hälfte aller Lehrer in den Ruhestand treten. Der Höhepunkt der Pensionierungswelle wird bereits in den Jahren 2016 bis 2018 erwartet. In diesem Zeitraum werden voraussichtlich jährlich 4200 Pädagogen in Pension gehen, heißt es im Bildungsressort.

Dienstrecht Landes- und Bundeslehrer werden derzeit unterschiedlich entlohnt, auch die Arbeitszeit differiert. Geplant ist ein einheitliches Dienst- und Besoldungsrecht. Die Ausbildung soll auch vereinheitlicht werden. Derzeit werden Lehrer an Pädagogischen Hochschulen oder an Unis ausgebildet.