Kritik an Polizei nach Krawallen in Rom

Bei der Demo gegen Banken verwüsteten Vermummte die Innenstadt. Die Opposition erhebt Vorwürfe gegen die Polizei.

Schlachtfeld Rom“, „Straßen-Guerilla“ und „Stadt in Flammen“ titelten italienische Medien am Tag nach den schweren Ausschreitungen bei der europaweit größten Demo gegen die Macht der Finanzmärkte. Bilanz der Krawalle am Samstag: 70 Verletzte, davon 30 Polizisten, und 12 Verhaftete. Die Spuren der Verwüstung sind nicht zu übersehen: verkohlte Autos, geplünderte Läden, eingeschlagene Schaufenster. Die Schäden betragen rund eine Million Euro. Einer gewaltbereiten Gruppe war es gelungen, eine friedliche Demonstration von 200.000 Leuten zu zerstören. Bereits zu Beginn der Demo steckten die mit Baseballschlägern und Molotowcocktails bewaffneten, vermummten Randalierer des sogenannten „Schwarzen Blocks“ die ersten Autos in Brand und zerstörten Geschäfte. Sie gingen auf Journalisten und Kameraleute los und legten sich mit pazifistischen Teilnehmern an, die versuchten, sie vom Demonstrationszug abzudrängen. Auf ihrer Verwüstungstour zündeten sie auch einen Teil des Verteidigungsministeriums sowie ein gepanzertes Polizeiauto an. Bis am späten Abend lieferte sich der „Schwarze Block“ hinter dem Bahnhof Termini heftige Straßenschlachten mit der Polizei. „Die Situation war schlimmer als beim G-8-Gipfel 2001 in Genua“, erzählt eine Demonstrantin. Nun wird Kritik laut, warum die 2000 Polizisten nicht früher eingeschritten sind. Trotz Tränengas und Wasserwerfern bekamen die Sicherheitskräfte, die sonst nicht gerade zimperlich sind, die Situation erst nach Stunden in den Griff. „Wir müssen klären, warum eine Bande von ein paar Hundert Kriminellen stundenlang Roms Zentrum verwüsten und angreifen konnte“, forderte Oppositionschef Bersani. Das Innenministerium erklärte, dass Randalierer in die Demo eingeschleust wurden. „Es ist unmöglich, das zu verhindern.“ Premier Berlusconi will alle Gewalttäter hart bestrafen.
(kurier / Irene Mayer-Kilani, ROM) Erstellt am
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