Politik
05.12.2011

Kosovo: Verletzte Soldaten kommen heim

Sieben österreichische KFOR-Soldaten, die bei den Krawallen an der serbischen Grenze verletzt wurden, sollen heute in Linz landen.

Sieben der insgesamt elf im Nordkosovo verletzten österreichischen KFOR-Soldaten werden heute zurück nach Österreich gebracht. Die Ankunft der ersten Bundesheermaschine aus dem Kosovo wird um 13:45 Uhr am Militärflughafen Hörsching erwartet. Die zweite C-130 Hercules wird um etwa 17:15 Uhr in Hörsching landen, teilte das Militärkommando Oberösterreich mit. Die Hercules wird demnach auch mit einer mobilen Sanitätsstation, einem sogenannten Medevac-Container ("Medical Evacuation"), ausgestattet sein.

Die elf Kaderpräsenz-Soldaten sind am Montag bei Zusammenstößen an einer serbischen Straßenblockade am Grenzübergang Brnjak im Norden des Kosovo verletzt worden. Zwei davon schwer. Einer hat Splitter im Bein, der andere erlitt eine Lungenverletzung und musste vorübergehend in Tiefschlaf versetzt werden. "Es besteht keine Lebensgefahr", versicherte Bundesheer-Sprecher Oberst Michael Bauer.

Schon am Dienstag gab es Entwarnung: "Unsere beiden schwerer verletzten Soldaten sind ansprechbar. Es geht ihnen gut - den Umständen entsprechend", sagte Bauer zum KURIER.

Insgesamt waren bei dem Versuch der KFOR-Truppen, eine Straßenblockade zu räumen, 25 Soldaten verletzt worden. Unter anderem war dem deutschen Kommandanten des Einsatzes ins Bein geschossen worden.

Eskalation

Der Streit um die illegalen Straßensperren hat damit eine gefährliche Eskalationsstufe erreicht. Mit insgesamt 20 Blockaden haben Serben im Norden des Kosovo alle Zugänge zu den zwei umstrittenen Grenzübergängen zwischen dem Kosovo und Serbien, Brnjak und Jarinje, blockiert, zu denen die kosovarischen Behörden bis vor Kurzem keinen Zugang hatten.

Mehrmals haben KFOR-Truppen seit dem Sommer die Sperren gegen den wütenden Widerstand der Blockierer geräumt, worauf diese sofort neue Blockaden aus alten Bussen, Lkw und Stacheldraht errichteten.
Hintergrund dieser Aktion ist die Weigerung der 40.000 Serben im Nordkosovo, den seit drei Jahren unabhängigen Staat Kosovo anzuerkennen.

Während die anderen 80.000 Serben im Rest des Landes begonnen haben, sich in ein Leben im Kosovo einzufügen, lebt die serbische Minderheit im Norden in Parallelstrukturen: Gezahlt wird mit serbischem Geld, Schulen unterrichten nach serbischen Lehrplänen und auch die EU-Rechtsmission EULEX wird nicht anerkannt. Die Minderheit leistet erbittert Widerstand.

Seit Wochen ist die Lage im Nordkosovo angespannt, die österreichischen Truppen waren auf die Eskalation vorbereitet: "Wir haben natürlich mit diesem Szenario gerechnet, die Soldaten sind genau dafür zehn Wochen lang ausgebildet worden und sie sind bestens ausgerüstet. Dem haben wir es zu verdanken, dass nicht mehr passiert ist", sagt Bauer. "Unser Einsatz geht natürlich unverändert weiter. Die KFOR hat ja dort ihren Auftrag."

Ulrike Lunacek, Kosovo-Berichterstatterin des EU-Parlaments, verurteilte "diese nationalistischen Exzesse auf das Schärfste. Serbien muss seinen Einfluss im Nordkosovo geltend machen", forderte sie die Regierung in Belgrad auf. Auch Österreichs Außenminister

Michael Spindelegger telefonierte am Dienstag mit den Außenministern des Kosovo und Serbiens und verlangte von Belgrad eine klare öffentliche Distanzierung von den Gewaltakten.

EU-Kandidat

Sollte diese ausbleiben, dürften Serbiens Chancen, Anfang Dezember von der EU den Kandidaten-Status zu erhalten, schwinden. Schon im September hatte Deutschlands Kanzlerin Merkel der serbischen Führung, die Kosovos Unabhängigkeit nicht anerkennt, klargemacht: Belgrad müsse seine Unterstützung für die Parallelstrukturen im Norden Kosovos abbauen - oder weiter außerhalb der EU warten.