Politik 19.12.2011

Kim Jong-Il: Die "Sonne der Menschheit"

© Bild: dapd(c) AP

Wie ein Gott verehrt - Nordkoreas Diktator stand im Mittelpunkt eines skurrilen Personenkults.

"Der Große Führer", die "Sonne der Menschheit", der "Himmelgeborene" - der am Samstag früh verstorbene nordkoreanische Machthaber Kim Jong-Il hatte viele Beinamen. Sein Bild und das seines Vaters und Staatsgründers Kim Il-sung sind in der letzten stalinistischen Diktatur allgegenwärtig. Der Personenkult hatte sich nach dem Tod des Vaters im Jahr 1994 direkt auf Kim Jong-Il übertragen. Laut Medienberichten wird nun Kims Sohn, Kim Jong-Un, die Nachfolge als Machthaber antreten. Damit wird bald auch sein Bild die nordkoreanischen Amtsstuben, Klassenzimmer, Kindergärten, Krankenhäuser und Wohnzimmer zieren.

Nach offizieller Darstellung soll Kim Jong-Un am 16. Februar 1942 in einem anti-japanischen Widerstandscamp auf dem Heiligen Berg Paekdu in Korea geboren worden sein. Dort soll es in der Nacht der Geburt ungewöhnliche Himmelserscheinungen gegeben haben. Nach Ansicht westlicher Experten wurde er dagegen bereits 1941 in einem Trainingslager der sowjetischen Armee bei Chabarowsk in Sibirien geboren, wo sein Vater und Vorgänger, der "Ewige Präsident" Kim Il-sung, diente.

Viermal verheiratet

Vom Privatleben des Kim Jong-Il wusste und weiß man nicht viel. Er war viermal verheiratet und hat vier eheliche Kinder. Zu seiner ersten Ehe soll er von seinem Vater Kim Il-Sung gezwungen worden sein, während er bereits heimlich mit seiner späteren zweiten Ehefrau zusammenlebte. Der "Große Führer" litt an Diabetes und soll bereits seit längerem herzkrank gewesen sein. In den vergangenen Jahren hielten sich Spekulationen, nachdem der nordkoreanische Machthaber im August 2008 einen Schlaganfall erlitten haben soll, hartnäckig. Er soll außerdem an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt gewesen sein.

Im Westen hatte Kim Jong-Il keinen guten Ruf. Er galt als exzentrisch und wurde wegen seines auftoupierten Haars, den blousonartigen Anzügen mit strammen Gummizug über dem Bauch und den Plateauschuhen oft als Witzfigur dargestellt. Unter seiner Führung sollen rund eine Million Nordkoreaner verhungert sein. Auch wird er für mehrere blutige Anschläge verantwortlich gemacht, darunter das Bombenattentat auf das südkoreanische Kabinett im Jahr 1983 in Rangun und den Absturz eines Jets der Korean Airlines 1987.

Erstellt am 19.12.2011