Israel: "Mutter der Demonstratio­nen"

Seit Wochen wächst der Protest gegen die hohen Lebenshaltungskosten. Die Regierung zeigt Verständnis und stellt Abhilfe in Aussicht.

Es war der größte Massenprotest in der Geschichte des Landes: Die „Mutter aller Demonstrationen“, wie sie von Zeitungskommentatoren genannt wird, fand am Samstag in Israel statt. Der Grund: Seit Wochen gärt der Widerstand gegen  die hohen Lebenshaltungskosten und teure Mieten. Der Protest hat eine veritable soziale Krise verursacht. Die Regierung lenkt nun scheinbar ein: Nach mehreren Signalen einzelner Abgeordneter hat Premier Benjamin Netanyahu ein Komitee gegründet, das Vorschläge zur Lösung der Wohnungsfrage und anderer Probleme vorlegen soll. Der Tenor der Plakate und Reden richtet sich bei den Demos gegen die konservative Regierung Netanyahus und für mehr soziale Leistungen des Staates. "Das Volk will soziale Gerechtigkeit" und "Schluss mit dem Raubtier-Kapitalismus", skandierten etwa 250.000 Teilnehmer. Bei Massenprotesten am Samstag waren Demonstranten in vielen Städten Israels auf die Straße gegangen. Auch in anderen Orten gab es Demos, 300.000 Menschen sollen sich insgesamt beteiligt haben - immerhin einer von 25 der 7,8 Millionen Israelis. Oft ist vom "arabischen Frühling" die Rede, der einen "israelischen Sommer" ausgelöst habe. Und vereinzelt waren bei der Großkundgebung am Samstag in Tel Aviv Plakate wie "Marschiert wie die Ägypter" oder - an die Adresse des konservativen Ministerpräsidenten Benjamin "Bibi" Netanyahu gerichtet  - "Tritt zurück, Ägypten ist da" zu sehen. Aber anders als im Nachbarland Ägypten oder gar in Libyen oder Syrien geht es in Israel nicht um den Sturz der Regierung. Und niemand muss sein Leben riskieren, nur weil er gegen die Regierung demonstriert. Die Atmosphäre gleicht eher einem Volksfest.

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(apa / csm) Erstellt am
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