Politik | Inland 04.06.2018

Wolf bei Putin: ORF-Interview in der Höhle des Bären

© Bild: APA/ORF/DANIEL HACK / DANIEL HACK

Seltenheit für Journalisten. Armin Wolf befragte Präsident Putin vor seinem Besuch in Österreich.

ZIB-2-Moderator Armin Wolf hat bereits einige denkwürdige Interviews geführt, vergangenen Freitag hatte er die Gelegenheit, mit Russlands Präsident Wladimir Putin einen der mächtigsten Männer der Welt zu befragen. Einzige Bedingung des Kremls: Das Interview sollte im ORF-Fernsehen eine gewisse Mindestlänge haben und von einem ORF-Hauptabendmoderator geführt werden.

Die Fragen wurden vorher nicht abgesprochen, Wolf musste jedoch die Themen nennen, über die er mit Putin zu sprechen gedachte. Unter anderem den Vorwurf, Putin unterstütze nationalistische Kräfte in Europa, um die EU von innen zu schwächen. „Wir verfolgen nicht das Ziel, etwas oder jemanden in der EU zu spalten“, sagte Putin im Interview.

Man sei stattdessen daran interessiert, dass die EU als wichtigster Handels-und Wirtschaftspartner „geeint ist und floriert“. Allerdings sei die Entscheidung, mit wem konkret man kooperiere, eine „pragmatische“. „Wir versuchen, mit jenen zu kooperieren, die selbst öffentlich den Wunsch äußern, mit uns zusammenzuarbeiten.“ In diesem Sinne lobte Putin auch die bilateralen Beziehungen zu Österreich. Trotz all der Schwierigkeiten sei der Dialog in den letzten Jahren „nicht abgerissen“.

Putin äußerte sich auch zu der Frage, warum es noch immer zu keinem Treffen zwischen ihm und US-Präsident Donald Trump gekommen sei. Die Verantwortung dafür sieht er auf US-Seite: „Meiner Ansicht nach ist das die Folge des heftigen innenpolitischen Kampfes in den USA.“ Aber man telefoniere „regelmäßig“ und sei sich darüber einig, dass man einen „Rüstungswettlauf“ verhindern müsse.

Der russische Präsident verteidigte die Rolle seines Landes im Ukraine-Konflikt. In der Ukraine habe es einen „verfassungswidrigen, bewaffneten Staatsstreich und Machtergreifung“ gegeben. Das „rechtmäßig“ auf der Krim stationierte Militärkontingent habe lediglich „unabhängige und freie Wahlen“ auf der Halbinsel zugelassen. Niemand müsse „die freie Willensäußerung eines Volkes auf einem Gebiet anerkennen“, das sei in einer UNO-Entscheidung so festgehalten.

Ausführlich besprachen Wolf und der russische Präsident die Frage der St. Petersburger „Trollfabrik“. Die „Internet Research Agency“ des Oligarchen Jewgeni Prigoschin soll weltweit Wahlen beeinflussen. Putin nannte diesen Vorwurf „lächerlich“. „Wie tief wären dann die Medien und die Politik im Westen gesunken, wenn ein Restaurant-Besitzer aus Russland Wahlen in Europa oder den USA beeinflussen kann?“

Putin wehrte sich gegen den Vorwurf, ein autoritäres System in Russland errichtet zu haben. Es gebe „keinerlei Zweifel an der Demokratie in Russland“.

( kurier.at , tsc ) Erstellt am 04.06.2018