Politik | Inland
16.06.2018

WIFO-Chef Badelt: „Mehr Flexibilität sinnvoll“

Wirtschafts- und Sozialexperte: Wettbewerbsfähigkeit ist wichtig, aber nicht über Lohnkürzungen.

KURIER: Nach Sozialversicherungsreform, Mindestsicherung, jetzt der Zwölfstundentag. Verstehen sie den Unmut der Gewerkschaft?

Christoph Badelt: Ein Großteil der angekündigten sozialpolitischen Forderungen muss erst in Gesetzesform gegossen werden und kann daher jetzt noch nicht endgültig beurteilt werden. Die Gewerkschaft sagt, wohl auch aus der Oppositionsrolle heraus, da droht Böses – obwohl man ja 2017 beim Zwölfstundentag angeblich schon sehr weit war. Ich halte eine Vereinfachung und mehr Flexibilität bei den Arbeitszeiten prinzipiell für sinnvoll. Es muss aber sichergestellt sein, dass es zu keiner direkten oder indirekten Lohnkürzung kommt. Das zu fordern, ist legitim.

Wir haben Hochkonjunktur. Da wäre eine Lohnkürzung über den Umweg der Überstundenzuschläge den Betroffenen tatsächlich schwer verkaufbar...

Die Konjunktursituation hat mit dieser Frage weniger zu tun. Ich denke, es geht beim Lohnaspekt der Arbeitszeit um einen klassischen verteilungspolitischen Konflikt und die Gewerkschaft würde sich verständlicherweise dagegen wehren, wenn man ihren Mitgliedern etwas wegnehmen will.

Wie kann man Ihrer Meinung nach sicherstellen, dass die Arbeitszeitflexibilisierung tatsächlich für Arbeitgeber und Arbeitnehmer zum Vorteil gereicht?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass es nicht möglich sein sollte, zur Frage, ob es zu Lohnkürzungen kommt oder nicht, bei einigem guten Willen eine gemeinsame Sichtweise zu entwickeln.

Diskutiert wird das Modell 4-Tage-Woche. Bei 10 Stunden täglich bleibt es bei der 40 Stunden Woche, der Arbeitgeber bekommt Flexibilität, der Arbeitnehmer größere zusammenhängende Freizeitblöcke. Was halten Sie von solchen Ansätzen?

Das ist ein klassisches Beispiel dafür, wie eine Regelung auf betrieblicher Ebene im Konsens beschlossen werden könnte. Und es gibt ja auch schon einzelne Vereinbarungen dieser Art.

Die Gewerkschaft pocht auf weitere Schritte zur Arbeitszeitverkürzung. Beispielsweise über eine 6. Urlaubswoche für alle. Ist das sinnvoll und machbar?

Grundsätzlich freuen sich natürlich Arbeitnehmer über Verbesserungen. Wir müssen aber auch darauf achten, dass Österreich in den letzten Jahren bei den Lohnstückkosten gegenüber seinen Handelspartnern (u. a. gegenüber Deutschland) seine Position verschlechtert hat und daher Gefahr läuft, seine Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren.