Heinrich Himmer.

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Heinrich Himmer
02/16/2017

Wien: Neuer Stadtschulratspräsident will Bürokratie abbauen

Lehrer sollen Zeit mit Schülern verbringen statt Anträge auszufüllen. Zahl der Bildungstestungen soll hinterfragt werden.

Weniger Bürokratie, eventuell auch weniger Bildungstests und mehr Unterstützung für Lehrer bei der Umsetzung von Reformen hat der neue Wiener Stadtschulratspräsident Heinrich Himmer (SPÖ) auf seine Agenda gesetzt. Ein weiteres Ziel: "Alle Eltern können sich darauf verlassen, dass jede öffentliche Schule das beste Angebot für ihr Kind bietet und es dort gut Lesen, Schreiben und Rechnen lernt."

Lehrer, so hat Himmer einmal in seiner bisherigen Funktion als Lehrergewerkschafter kritisiert, würden zwischen den Anforderungen verschiedener "Einflüsterer" aufgerieben - vom Ministerium über Schulaufsicht und Schulerhalter bis zu Direktoren. Am Ende würden sich Pädagogen und auch Schüler nicht mehr auskennen, was von ihnen erwartet wird. Himmer will den Lehrern das Leben künftig leichter machen, "indem ich nichts einflüstere, sondern Dinge klar und offen kommuniziere". Gemeinsam mit den anderen Verantwortlichen sollen außerdem die vielen Regelungen im Schulbereich durchforstet werden, im Stadtschulrat sei damit bereits begonnen worden. "Die Lehrer wollen mehr Zeit mit den Kindern verbringen und nicht damit, zu überlegen, wie sie irgendwelche Anträge richtig ausfüllen", betont Himmer im APA-Gespräch.

Weniger Tests

Hinterfragen will der 38-jährige Simmeringer auch die Vielzahl an Schülertests - von der PISA-Studie bis zum Wiener Lesetest. "Es wird darum gehen zu schauen, was wir wirklich brauchen und in welchen Zeitabständen, und auch den Eltern eine klare Rückmeldung zu geben, wozu wir das brauchen. Ein Test allein verbessert ja das Deutsch nicht." Die Erkenntnisse aus solchen Tests müssen aus Himmers Sicht zu bestimmten Maßnahmen führen. "Hier ist auch schon viel passiert, etwa kostenlose Nachhilfe und Sprachförderung."

Mehr Unterstützung für Lehrer kündigt Himmer auch bei der Umsetzung von Reformen an. Diese seien stets gut gemeint, durch die diversen "Einflüsterer" des Systems dauere die Umsetzung allerdings manchmal lange und nicht immer sei die Rolle der Lehrer klar. Ohne gute Begleitung würden Reformen damit zur Belastung. Hier will Himmer künftig mehr Beratung anbieten - "und zwar so, dass der Lehrer, wenn er bei uns anruft, gleich eine Antwort und Unterstützung bekommt".

Damit, dass die Modellversuche zur gemeinsamen Schule der Sechs-bis 14-Jährigen nicht mehr im aktualisierten Regierungsprogramm stehen, ist Himmer nicht glücklich. Er ist allerdings dagegen, dass nun jedes Bundesland eine eigene Lösung sucht. "Die Bundespolitik sollte sich entscheiden, dass es nicht Sinn macht, die Kinder mit neuneinhalb Jahren zu trennen." Derzeit würden in Wien Eltern "teilweise mit Hochleistungslernsport" ihre Kinder in Richtung Gymnasium trimmen, aus Angst ihnen sonst Zukunftschancen zu verbauen. "Deshalb müssen sich alle Eltern darauf verlassen können, dass jede öffentliche Schule unabhängig vom Namen das Beste für ihr Kind anbietet, und dass nach Ende der Sekundarstufe 1 jede weitere Schule der Sekundarstufe 2 besucht werden kann." Er selbst versteht als ehemaliger Lehrer an einer berufsbildenden höheren Schule (BHS), die mit Matura abschließt, viele Vorbehalte gegen die NMS nicht: Drei Viertel der dortigen Schüler seien aus den NMS gekommen, die Ergebnisse seien dennoch gut gewesen.

Erster Besuch bei Sonderschule

Sein erster Schulbesuch als neuer Präsident soll Himmer an ein Zentrum für Inklusion und Sonderpädagogik (ZIS) vulgo Sonderschule führen - und damit an eine Schulform, die es bis 2020 nach Plänen des Bildungsministeriums nur noch in Ausnahmefällen geben soll. Von Himmer werden diese Pläne unterstützt, "Inklusion ist grundsätzlich immer Vorrang zu geben". Es brauche nicht per se extra Schulformen für Kinder mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen. Die ZIS seien in Wien in der Regel auch schon jetzt keine isolierten Gebäude mehr, sondern an Volks- oder Neue Mittelschulen angebunden. "Ich weiß aber, dass Eltern das Gefühl haben müssen, ihre Kinder werden hier gut versorgt", räumt Himmer ein. Gerade bei sehr schweren körperlichen Beeinträchtigungen seien spezialisierte Mitarbeiter zur Unterstützung notwendig, diese werde man "nicht an allen Standorten im gleichen Ausmaß zur Verfügung stellen können".

Zu seinem Posten kam Himmer, der wie sein Amtsvorgänger und nunmehriger Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ) bei den Kinderfreunden engagiert ist, in einer Zeit der Flügelkämpfe innerhalb der Wiener SPÖ. Himmer gilt dabei als Signal an die Flächenbezirke, er selbst kommentiert das ironisch: "Ich bin Simmeringer, das ist ein Flächenbezirk. Ob ich das personifizieren kann, weiß ich nicht." Geht es nach ihm, sind die inhaltlichen Differenzen zwischen den verschiedenen Gruppen ohnehin weit geringer als kolportiert. "Diskussionen in einer Partei wird es immer geben, außer sie ist autoritär. Mir ist wichtig, dass es inhaltlich passt."

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