So etwas wie Parteichefs gibt es bei den Grünen erst seit dem Jahr 1992, damals wurde die Funktion des Bundessprechers geschaffen, der die Partei nach außen vertritt. Auch das Prinzip der Unvereinbarkeit von politischem Mandat und Parteifunktion wurde abgeschafft.
Davor, konkret ab dem ersten Bundeskongress 1987, gab es Bundesgeschäftsführer, die teilweise - ohne dass es institutionalisiert war - neben den Klubobleuten als Parteisprecher fungierten. Die ersten beiden waren (im Schatten von Gründerin Freda Meissner-Blau, Bild) Werner Haslauer und (kurzzeitig) Manfred Stadlmann.
Dann repräsentierten Johannes Voggenhuber (1988 bis 1990, mit Pius Strobl) sowie Franz Floss (1990 bis 1992, mit Franz Renkin) mit mehr oder weniger Engagement die Partei nach außen. Bild: Johannes Voggenhuber
Nach dem Abgang von Glawischnig übernahm 2017 die Tirolerin Ingrid Felipe die Parteispitze. Als Spitzenkandidatin ging Ulrike Lunacek in die Nationalratswahl im Herbst. Das Konstrukt sollte sich nicht bewähren: Mit 3,8 Prozent (-8,6%) flogen die Grünen aus dem Parlament. Mitschuld am Desaster war, dass das grüne Urgestein Peter Pilz nach internen Zerwürfnissen mit einer eigenen Liste angetreten war.
Nur zwei Jahre später schlug das Pendel in die andere Richtung aus: Mit Werner Kogler an der Spitze gelang ein fulminantes Comeback im Nationalrat. Mehr noch: Erstmals in ihrer Geschichte wurden die Grünen Teil einer Bundesregierung. Mit der ÖVP als Partner und Kogler als Vizekanzler.
Der nächste Katzenjammer folgte 2024: Nach der Nationalratswahl flogen die Grünen aus der Regierung. Die streitbare Ex-Klimaministerin Leonore Gewessler löste Kogler als Parteichefin ab.
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