John F. Kennedy (links) und Richard Nixon.

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Fernsehduell
09/23/2013

TV-Duelle im Wandel der Zeit

Kennedy versus Nixon oder Kreisky versus Taus: TV-Duelle im Wandel der Zeit.

Fernsehduelle in Wahlkampfzeiten haben eine lange Tradition. Das medial vermittelte Aufeinandertreffen von zwei oder mehreren Kandidaten zählt spätestens seit der legendären Konfrontation zwischen John F. Kennedy und Richard Nixon 1960 zu den Fixpunkten in Wahlschlachten, nicht nur in den USA. Angespannte Redner, Schweißperlen auf der Stirn oder Taferl als Argumentationshilfe prägten die Geschichte dieses Formats, das für viele über Sieg oder Niederlage entscheidet. Ob TV-Duelle aber tatsächlich wahlentscheidend wirken, bleibt bis heute auch unter Experten umstritten.

Der Triumph des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Kennedy über den damaligen republikanischen Vizepräsidenten Nixon begründete diese Ansicht zumindest. Während Nixon, sichtlich gezeichnet von einer gerade überstandenen Krankheit, blass und geschwächt vor die Kameras trat, wirkte sein Herausforderer deutlich charismatischer. Mit ein Grund soll gewesen sein, dass die Demokraten ihren Kandidaten vor dem Aufeinandertreffen in einen Kühlwagen setzten und er daher mit der Hitze im Fernsehstudio deutlich besser zurecht kam.

Das Gesagte direkt im Anschluss erstmals zu analysieren blieb ebenfalls der US-amerikanischen TV-Landschaft vorbehalten, als sich 1976 Gerald Ford und Jimmy Carter gegenüberstanden: In der ersten von insgesamt drei Debatten kam es zu einem gut halbstündigen Tonausfall, woraufhin die Kommentatoren spontan das Gehörte auseinandernahmen und auf Stärken sowie Schwächen untersuchten.

Medienkanzler

Nur ein Jahr zuvor erreichte ein österreichisches TV-Duell erstmals eine breite Öffentlichkeit: SPÖ-Kanzler Bruno Kreisky sah sich 1975 ÖVP-Spitzenkandidat Josef Taus gegenüber, wobei der vielfach als Medienkanzler titulierte Kreisky seinem Herausforderer kaum Terrain überließ und gleich eine heimische Tradition vorwegnahm. Zwar zauberte der Kanzler kein Taferl hervor, aber er nutzte eine Broschüre der Girozentrale, die Taus zu verantworten hatte und die den Wirtschaftsstandort Österreich in den höchsten Tönen lobte. Die zuvor dargebrachte Kritik an der roten Wirtschaftspolitik verpuffte dadurch, Kreisky konnte die Wahl für sich entscheiden.

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Taferl

Welche Auswirkungen ein Taferl haben kann, zeigte gut 20 Jahre später FPÖ-Chef Jörg Haider. Er konfrontierte 1994 Kanzler Franz Vranitzky (SPÖ) auf diese Weise mit hohen Bezügen des steirischen Arbeitskammer-Präsidenten Alois Rechenberger, löste damit eine Privilegiendebatte aus und sorgte indirekt für schmerzhafte SP-Verluste bei der Wahl. Seit damals sind die handlichen Argumentationshilfen aus dem österreichischen TV-Wahlkampf nicht mehr wegzudenken, werden quer durch die Parteien genutzt und sind mittlerweile auch ins digitale Zeitalter überführt worden, wie etwa Frank Stronach (Team Stronach) im laufenden Wahlkampf mit einem Tablet bewies, das den aktuellen Schuldenstand Österreichs anzeigte.

Dass aber nicht nur die Kandidaten selbst im Mittelpunkt stehen, belegte der an diesem Wochenende im Urnengang mündende Bundestagswahlkampf in Deutschland. Als sich CDU-Kanzlerin Angela Merkel und SPD-Herausforderer Peer Steinbrück Anfang des Monats gegenüberstanden, erregte die Halskette Merkels die Aufmerksamkeit der webaffinen Zuschauer. Die roten, schwarzen und goldenen Elemente des Schmuckstücks veranlassten nicht nur eine rege Debatte in Sozialen Netzwerken, sondern mündeten gar in einem eigenen Twitter-Account der "Deutschlandkette".

Internet

Auf die Bedeutung der Kommentare in Facebook und Co wird aber nicht nur seitdem von vielen hingewiesen, allerdings bleiben die absoluten Zahlen diesbezüglich natürlich weit hinter den Zuschauerzahlen zurück. In Österreich lockte etwa das Aufeinandertreffen von Kanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP) und Alfred Gusenbauer (SPÖ) im Jahr 2002 knapp zwei Millionen Zuschauer vor die Bildschirme.

Wahl 2013

2013 brachte in Österreich schließlich nicht zuletzt aufgrund der stärkeren Präsenz der Privatsender ATV und Puls 4 eine erhebliche Zunahme an TV-Duellen. Gemeinsam mit dem ORF sind mehr als 30 Konfrontationen - von Einzelbefragungen und moderierten Zweiergesprächen bis zu "Elefantenrunden" - angesetzt. Bemerkenswert dabei scheint eine regelrechte Renaissance des Taferls, das quer durch die Parteien zur Anwendung kam. Anstatt tabellarischer Auflistungen verlässt man sich nun aber stärker auf die Kraft der visuellen Kommunikation und setzt auf Bilder, die das Gegenüber in nicht immer vorteilhaften Positionen zeigen.

Markante Sager, hitzige Debatten sowie das allgegenwärtige Taferl gehen nun aber ebenso wie der Wahlkampf in ihre finale Phase. Geht es nach einer im August durchgeführten Umfrage des Salzburger Instituts für Grundlagenforschung, scheinen sich die Wähler aber nicht wirklich von Fernsehduellen beeinflussen zu lassen: Mehr als die Hälfte der Befragten bezeichnete diese nämlich als "weniger wichtig" oder gar "unwichtig".

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