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Politik | Inland
05/20/2019

"Todesliste": Umstrittene ukrainische Internetseite listet Gudenus

Die höchst umstrittene Seite "Mirotworez" wurde erst durch das Skandal-Video auf den FPÖ-Politiker aufmerksam.

Die umstrittene Internet-Seite "Mirotworez", die sich eigenen Angaben zufolge mit Verbrechen gegen die nationale Sicherheit der Ukraine beschäftigt, listet seit Sonntag auch den langjährigen FPÖ-Politiker Johann Gudenus. Als Grund dafür wird seine Beobachterrolle im März 2014 beim international nicht anerkannten "Referendum" auf der Krim, mit dem Russland die Annexion der Halbinsel begründete, genannt.

Im Zusammenhang mit seiner Rolle war Gudenus bereits seinerzeit vom ukrainischen Geheimdienst SBU mit einem Einreiseverbot in die Ukraine belegt worden, das jedoch im September 2017 wieder auslief. Nichtsdestotrotz wurden die Autoren von "Mirotworez" sichtlich erst durch das "Ibiza-Video" auf den österreichischen Politiker aufmerksam: Sie verweisen im neuen Eintrag zu Gudenus auch auf aktuelle Publikationen, in denen von "Verhandlungen mit einer russischen Sponsorin der FPÖ" auf Ibiza die Rede ist.

Umstrittene Seite listet auch Wehrschütz

Die ursprünglich vom aktuellen ukrainischen Parlamentsabgeordneten Anton Heraschtschenko (Volksfront) initiierte Internetseite "Mirotworez" ("Friedenstifter") gilt insbesondere im Zusammenhang mit der Ermordung von zwei prominenten pro-russischen Aktivisten als umstritten. Der Publizist Oles Busyna sowie der Politiker Oleh Kalaschnikow waren 2015 zeitnah zur "Mirotworez"-Veröffentlichung ihrer Kontaktdaten in Kiew ermordet worden. Kritiker der Internetseite sprachen in Folge von einer "Todesliste".

Aktuell listet "Mirotworez" knapp 20 Personen mit Österreich-Bezug, darunter den ORF-Korrespondenten Christian Wehrschütz und den sozialdemokratischen Gewerkschafter Alfred Almeder aus Wien, die sich beide vergeblich um eine Löschung von der Seite bemüht hatten.

Mehrheitlich handelt es sich bei den gelisteten Österreichern um ehemalige Politiker, Aktivisten sowie Kulturschaffende, die ohne ukrainische Sonderbewilligung in den letzten Jahren auf die annektierte Krim gereist waren.