Juliane Bogner-Strauß, Heinz Faßmann

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Politik Inland
01/20/2019

Teure Idee: Ethik-Unterricht für alle scheitert am Budget

Werte-Vermittlung: Dass Beziehungen frei von Gewalt sein müssen, soll im Ethik-Unterricht vermittelt werden.

von Bernhard Gaul

Als Hauptauslöser der aktuellen Gewaltwelle gegen Frauen sehen Außenminister Karin Kneissl und Karoline Edtstadler, Noch-Staatssekretärin im Innenministerium, die Migration: „Wir haben Wertehaltungen importiert wie ein problematisches Frauenbild, das mit unseren Werten nichts zu tun hat“, sagte Edtstadler. Sie zieht für die ÖVP in den Europawahlkampf – als Nummer zwei hinter Othmar Karas.

Ein Ansatz der Regierung: Kinder und Jugendliche sollen im Schulunterricht für das Thema sensibilisiert werden, sagt Familienministerin Juliane Bogner-Strauß. Sie habe mit Bildungsminister Heinz Faßmann besprochen, dass im Ethikunterricht das Thema „Gewaltfreie Beziehung“ behandelt werden muss.

Doch das ist alles andere als einfach umzusetzen. Faßmann hatte ja angekündigt, einen verpflichteten Ethikunterricht für all jene in die Schulen zu bringen, die sich vom konfessionellen Religionsunterricht abgemeldet haben. Dazu laufen in den Oberstufen bereits zahlreiche Schulversuche und diese durchaus mit Erfolg. Faßmanns Plan ist, ab dem Schuljahr 2020/2021 den Ethikunterricht zuerst nur in den Oberstufen für die vom Religionsunterricht Abgemeldeten zu starten.

In den Jahren danach soll schrittweise auch in den Unterstufen, für die 10 bis 14-Jährigen, und im Endausbau auch für alle Volksschüler von sechs bis zehn Jahren ein Ethik-Unterricht kommen.

Was Faßmanns Regierungskolleginnen Kneissl, Edtstadler und Bogner-Strauss verlangen, geht aberweit über den bisherigen Plan hinaus. Muslimische Jugendliche, die den islamischen Religionsunterricht besuchen, wären ja nach dem Koalitionsplan vom Ethikunterricht ausgeschlossen. Der soll nicht parallel zum Religionsunterricht stattfinden, sondern nur stattdessen.

Faßmann zeigt sich im KURIER-Gespräch grundsätzlich angetan von der Idee, muss aber abwinken: „So interessant und wünschenswert ein Ethikunterricht für alle – zusätzlich zum Religionsunterricht – wäre, steht dieser aus finanziellen Gründen nicht zur Diskussion und ist maximal als sehr langfristiges Vorhaben denkbar.“ Er gehe davon aus, dass Gewaltfreiheit in Beziehungen gegenüber Frauen ohnehin im islamischen Unterricht den Schülerinnen und Schülern vermittelt werde. Zudem, sagt Faßmann, stehe ein Ethikunterricht für alle nicht im Regierungsprogramm.

Tatsächlich ist ein neues Schulfach für alle rund 1,2 Millionen Schüler alles andere als leicht zu finanzieren: Bisher gibt es nur Berechnungen, wonach ein Ethikunterricht nur für jene derzeit rund 120.000 Schüler, die sich von Religion abgemeldet haben, in etwa 46 Millionen Euro pro Schuljahr kosten würde.

Wenn man das auf alle Schüler in den Oberstufen ausdehnen will, kostet es entsprechend mehr. Und entsprechend viel mehr, sollte der Unterricht für alle verpflichtend werden.

 

 

Staatsakt anlässlich 100 Jahre Republik

Faßmann wird so oder so Finanzminister Hartwig Löger um mehr Mittel bitten müssen. Das Unterfangen dürfte aber nur geringe Chancen auf Verwirklichung haben – denn Löger muss ein anderes Ziel verfolgen: Ein nachhaltig ausgeglichenes Budget.