Politik | Inland
01.08.2018

46-Stunden-Woche: Verwirrung um Stelleninserat für Filialleiter

Vorbote des 12-Stunden-Tags? Gesucht werden Filialleiter für 46 Stunden. Laut Unternehmen ist die Überstunden-Regelung seit Jahren Usus.

Irritierend war für viele User in sozialen Netzwerken am Montag ein Stelleninserat eines Diskonters, wonach Filialleiter für 46 Stunden gesucht werden. Ein Screenshot verbreitete sich am Montag auf Facebook, einige Gewerkschafter und SPÖ stellten eine Verbindung zum 12-Stunden-Tag her, der ab September kommen soll. Zu Unrecht, wie sich herausstellte. Einige Gewerkschafter und SPÖ-Mitglieder löschten ihre empörten Tweets wieder.

"So sieht die Freiwilligkeit in Zukunft aus“, wurde das Inserat kommentiert. Gesucht wird ein Filialleiter – Wochenarbeitszeit: 46 Stunden (inklusive Überstunden, Normalarbeitszeit 38,5 Stunden); Verdienst: ab 2300 Euro brutto. Auf der Website des Diskonters wird zu diesen Konditionen an mehreren Standorten gesucht – etwa in Linz und Salzburg-Stadt. Der Arbeitszeitrahmen ist laut Inserat 6 bis 19.30 Uhr. Geworben wird auch um Fleischer für 43 Stunden pro Woche, auch hier sind Überstunden inkludiert.

Irritierend war das für viele deshalb, weil die Arbeitszeitflexibilisierung, die künftig bis zu 12 Stunden am Tag bzw. 60 Stunden pro Woche möglich macht, erst ab September gelten soll. Zudem betonte die Regierung stets, dass die Normalarbeitszeit von 40 Stunden bleiben werde.

Die Aufregung war allerdings unbegründet: Es sei seit Jahren Usus, die 46-Stunden-Woche auszuschildern, erklärt eine Sprecherin der Unternehmensgruppe. Basis sind 38,5 Stunden, darüber hinaus gibt es eine Überstundenpauschale.

Die Gewerkschaft für Privatangestellte ( GPA) kalmierte noch am Montag: Im Handel sei es in Absprache mit Betriebsräten seit Jahren gelebte Praxis, dass Filialleiter einen Großteil der Öffnungszeit im Geschäft sind. Die Überstunden werden über eine Pauschale bzw. einen All-In-Vertrag abgedeckt. Für die Gewerkschaft war neu, dass die reale Arbeitszeit offen ausgeschildert wird. Bisher sei erst im Vorstellungsgespräch darauf hingewiesen, dass es bei den 38,5 Stunden nicht bleibt, erklärte ein GPA-Sprecher.

Wie Stellenausschreibungen aus früheren Jahren, die dem KURIER vorliegen, zeigen, hat der Supermarkt bereits 2011 und 2015 die Arbeitszeit von 46 Stunden ausgeschildert.

SPÖ-Sozialsprecher Beppo Muchitsch befürchtet, dass für Filialleiter ab Inkrafttreten des neuen Arbeitszeitgesetzes überhaupt keine Limits mehr gelten – und das für einen Lohn, der im Vergleich zu anderen Führungskräften niedrig ist.

Update: Der Artikel wurde am Donnerstag, 2.8., um 10:30 Uhr mit einer Stellungnahme der Unternehmensgruppe aktualisiert. Weil - anders als zunächst in den Sozialen Medien nahegelegt - doch kein Zusammenhang zum 12-Stunden-Tag besteht, sieht der KURIER in diesem konkreten Fall davon ab, den Namen des Supermarkts zu nennen.