Bittere Niederlage war für Voves keine Überraschung
Für Franz Voves war die bittere Wahlniederlage keine wirkliche Überraschung. Dienstagnachmittag traf ihn der KURIER zum letzten Interview vor der Wahl. In der Sache gab er sich einmal mehr kämpferisch. Im Nachgespräch wirkte der 62-Jährige sehr gedämpft und nachdenklich. Überall wo er hinkomme, klopften ihm die meisten auf die Schulter. Tenor: Ihr habt das gar nicht schlecht gemacht. Aber diesmal müssen wir denen in Wien zeigen, dass es so nicht weitergehen kann. In den letzten Wochen vor der Wahl beherrschte ein Thema alle Gespräche: Die dramatische Flüchtlingswelle und der Streit über die Unterbringung neuer Asylwerber. Das Ausmaß der katastrophalen Niederlage konnte und wollte Voves nicht beziffern. Aber: "Maximal zehn bis zwanzig Prozent ist der Arbeit der Reformpartnerschaft zuzuordnen. Alles ist überlagert von der Asyl- und Ausländerfrage", resümierte er ernüchtert.
Für Voves ist die Niederlage doppelt bitter: Der ehemalige Eishockey-Spitzenspieler und spätere Finanzchef des Versicherungskonzerns Merkur war erst mit 49 Jahren in die Politik eingestiegen. Als sich in der SPÖ zwei feindliche Lager unversöhnlich gegenüberstanden, zog der scheidende SPÖ-Landeschef Peter Schachner den damals auch innerhalb der Partei weithin unbekannten ASKÖ-Präsidenten aus dem Hut. Franz Voves entpuppte sich als Glücksgriff: Bei seiner ersten Wahl 2005 eroberte er nicht nur den Landeshauptmann-Sessel für die SPÖ zurück. Nach seiner Wiederwahl 2010 prägte er einen vollkommen neuen Stil: Gestritten wurde nur noch hinter den Kulissen; öffentlich zogen die einstigen Streithähne Franz Voves und Hermann Schützenhöfer nur noch an einem Strang. Dafür gab es bis vor wenigen Wochen auch in der Steiermark mehr Applaus als Kritik.
Vorzeigemodell
Bundesweit galt "Franz-Hermann" (so der Spitzname der "Reformpartner" in Politzirkeln) als Vorzeigemodell für Rot-Schwarz. Bei einem Interview mit dem KURIER Ende 2014 in einem Wiener Innenstadtcafé musste das Gespräch mehrmals unterbrochen werden, weil wiederholt Gäste an den Tisch traten. Tenor der freundlichen Interventionen: Gratuliere Herr Voves, sie machen das sehr gut. Diesen Stil hätte wir gerne überall in der Politik. Franz Voves blieb seinem Stil der Verweigerung von parteipolitischen Haxelbissen auch bei Bundesthemen treu. "Schelling ist absolut ein Gewinn für die Politik", sagte er nach dem Machtwechsel in der ÖVP im Herbst 2014 im KURIER: "Mit Schelling und Mitterlehner kann die ÖVP wirklich einen Neustart zusammenbringen." Jetzt will er selber die Herkulesaufgabe versuchen: Den Neustart von Rot-Schwarz nach der Erdrutschniederlage in der Steiermark.
Weiterführende Links:
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Was sagen Bundeskanzler Faymann und Vize Mitterlehner zum Wahlergebnis? Lesen Sie das Interview hier.
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