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Politik | Inland
01/07/2019

SPÖ feiert Geburtstag im „Betlehem des Sozialismus“

Vor 130 Jahren wurde in einem Gasthaus in Hainfeld die SPÖ geboren. Für Parteichefin Rendi-Wagner ist vieles davon aktuell.

Als Victor Adler und seine Mitstreiter zum Jahresende 1888 die Sozialdemokratische Arbeiterpartei SDAP – und damit die Vorgänger-Organisation der SPÖ – gründen wollten, wäre ihr von langer Hand geplantes Ansinnen beinahe an einer profanen Notwendigkeit gescheitert, nämlich: an einem ordentlichen Veranstaltungslokal.

Die Dinge waren damals nicht ganz einfach. In Wien und den angrenzenden Bezirken galt Versammlungsverbot. Und weil man wusste, dass der Bezirkshauptmann in Lilienfeld der Arbeiterbewegung grundsätzlich wohlwollend gegenüberstand, entschieden Adler und die Seinen, dass man Österreichs Sozialdemokraten in Hainfeld, genauer gesagt: im „Wirtshaus „Zum Goldenen Löwen“, versammeln solle. Das Problem war nur: Der Wirt wollte das so gar nicht.

Zehetner, so hieß der Mann, fürchtete schwere Repressalien, auch den Zorn des Bürgermeisters. Und so bedurfte es der Überredungskünste des Armenarztes und Journalisten Adler, den Wirt vom Gegenteil zu überzeugen.

Von 30. Dezember 1888 bis 1. Jänner berieten 80 Delegierte und 25 Gäste aus 13 Kronländern in Hainfeld, um die Grundsätze einer, ihrer Arbeiterpartei zu fixieren.

Für Karl Renner, den ersten Bundespräsidenten der Zweiten Republik, hat der Ort seither den Status eines „Betlehems des österreichischen Sozialismus“.

Das mag überzogen, ja pathetisch klingen. Unbestritten ist: In Hainfeld gelangen – abgesehen von der formalen Gründung – gleich mehrere Dinge von historischer Relevanz.

Urtrauma

Der wissenschaftliche Leiter des Karl-Renner-Museums, Michael Rosecker etwa, ist überzeugt, dass in Hainfeld ein „Urtrauma“ der Sozialdemokratie – die Parteispaltung – überwunden und in ein bis heute gültiges Mantra verwandelt werden konnte: das Wichtigste ist Einigkeit.

Hinzu kommt, dass das Programm über weite Strecken Inhalte vorwegnahm, die bis heute aktuell sind.

Wie sehen gute Arbeiterschutzgesetze aus? Warum ist eine kostenlose Ausbildung für Kinder richtig und notwendig? Fragen wie diese wurden in Hainfeld beantwortet.

Wenn sich die SPÖ heute, Dienstag, mit einem Festakt in Hainfeld an den 130. Jahrestag der Gründung erinnert, wird Parteichefin Pamela Rendi-Wagner versuchen, Parallelen zu 1888 zu ziehen.

Denn für die erste Frau an der SPÖ-Spitze gibt es etwas, „was uns von anderen Parteien fundamental unterscheidet“: „Während manche der Überzeugung sind, es reicht aus, Almosen zu vergeben, sind wir Sozialdemokraten der festen Überzeugung, dass jeder Mensch – unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Vorstellungen und ökonomischen Möglichkeiten – das natürliche Recht hat, ordentlich und mit Respekt behandelt zu werden.“