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Politik | Inland
07/10/2019

SPÖ-Bundesliste ohne Quereinsteiger: "Geht nicht um Starlets"

SPÖ-Chefin verzichtet auf Überraschungen. Frauen und Männer halten sich die Waage, Durchschnittsalter ist 42.

"Die Weichen sind gestellt", sagt Pamela Rendi-Wagner. Und damit meint sie zweierlei: In den vergangenen zwei Wochen war die Chefin der Sozialdemokratie in allen Bundesländern unterwegs. "Neun Bundesländer in 16 Tagen. Das gibt Kraft", sagt sie also. Und parallel dazu wurde in Präsidium und Vorstand auch die Bundesliste für die Nationalratswahl am 29. September fixiert, die - soviel ist seit Mittwoch klar - ganz ohne Überraschungen auskommt. 

Auf den vorderen Plätzen sind Rendi-Wagner, der Chef der SPÖ-Gewerkschafter Rainer Wimmer, dann noch Doris Bures, Thomas Drozda und Gabriele Heinisch-Hosek. Und erst dann kommt, wenn man so will, eine überraschendere Kandidatin. Denn wie im KURIER vorab berichtet, wird die Chefin der Sozialistischen Jugend, Julia Herr, auf Platz 7 und damit an wählbarer Stelle für den Nationalrat antreten. 

Dahinter geht‘s wieder "klassisch" weiter, sprich: Es folgen bekannte Abgeordnete und Funktionäre wie Gewerkschafter Beppo Muchitsch, Ex-Ministerin Sonja Hammerschmid und Gleichbehandlungssprecher Mario Lindner

„Wir haben uns ganz bewusst für diese Liste entschieden, es geht um Expertise und dass das Parlament nicht aus Starlets besteht“, antwortet Bundesgeschäftsführer Drozda auf die Frage, warum man völlig auf Quereinsteiger verzichtet. 

50 Prozent Frauen

Nimmt man die Bundesliste als Ganzes, also alle 410 Kandidaten, dann sind die Zahlen ausnehmend ausgeglichen: Der Frauenanteil liegt bei exakt 50 Prozent, das Durchschnittsalter bei 42 Jahren und die Berufsbilder der Kandidaten reichen von Lehrer, Polizist und Krankenpfleger, über Wissenschafter und Maschinenschlosser bis hin zu Schüler und Bauer. 

Bemerkenswert ist am Tag der Präsentation, dass Rendi-Wagner und Drozda einen ganz klaren Plan vorwegnehmen, wie sie die eher ernüchternden Umfrage-Daten noch zu einem passablen Wahlergebnis machen wollen. Denn einen wesentlichen Teil soll eine „sozial verträglichen Klimapolitik“ beitragen.

„Als Ärztin und Medizinerin weiß ich, dass sozial Schwache am stärksten unter Hitze und Klimawandel leiden“, sagt Rendi-Wagner. Mindestpensionisten und Alleinerzieherinnen ohne Klima-Anlage, Arbeiter, die in der sengenden Hitze zwölf Stunden durcharbeiten müssten - sie alle würden besonders leiden. 

Die Parteichefin der SPÖ lässt an diesem Mittwoch durchblicken, wie sie es anlegen wird im Wahlkampf, nämlich: ganz nah an jenen Kern-Themen der SPÖ, die auch die ihren sind, sprich: Pflege, Gesundheit, sozialer Ausgleich.

Irgendwann wird sie gefragt, ob sie ernsthaft den Kanzler-Anspruch stelle - immerhin sei die Ausgangslage ja nicht besonders. Rendi-Wagner verneint, dass sie Bundeskanzler werden will. „Wenn, dann geht es um den Kanzlerinnen-Anspruch.“ Und  ja, den stelle sie.