Sonderzüge nach Deutschland fahren weiterhin
Die Sonderzüge für Flüchtlinge von Salzburg nach Deutschland fahren - wie Sonntagabend seitens des deutschen Innenministeriums angekündigt - vorerst weiter. Am Montagvormittag wurde begonnen, rund 400 Menschen in eine Garnitur einsteigen zu lassen, die dann Richtung Deutschland ausfahren soll, teilte die Stadt Salzburg kurz vor 11.00 Uhr mit.
Bereits am Sonntagabend hatte noch ein Zug den Hauptbahnhof mit rund 400 Reisenden verlassen. Die zum Notquartier umfunktionierte Bahnhofsgarage konnte dadurch geleert werden, einige Dutzend Menschen verbrachten die Nacht im Bahnhofsgebäude. Heute Vormittag wird die Garage wie bereits seit längerem geplant gründlich gereinigt und desinfiziert. Sie wird dann etwa ab 22.00 Uhr wieder für die Unterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung stehen.
Heute zwei Sonderzüge
Seit den Morgenstunden gab es am Montag wieder starken Zustrom von Flüchtlingen zum Hauptbahnhof, bis zum späten Vormittag waren bereits 650 bis 700 Menschen angekommen. "Meine Informationen lauten, dass heute insgesamt zwei Sonderzüge nach Deutschland fahren sollen", sagte Thomas Kerschbaum, Sprecher von Landeshauptmann Wilfried Haslauer.
Vor der Grenze Saalbrücke nach Freilassing warteten nach wie vor einige hundert Flüchtlinge auf die Ausreise nach Bayern. Dort wurde am Vormittag begonnen, eine verstärkte Logistik zur Betreuung der Flüchtlinge hochzuziehen, sagte der Sprecher. Das reicht von einer Verstärkung der Kanalisation bis zu einer Verbesserung der sanitären Versorgung. Man bemühe sich, dass möglichst viele Menschen im Trockenen auf den Grenzübertritt warten können, so Kerschbaum. Seinen Informationen zufolge sei man auf deutscher Seite auch bemüht, die Geschwindigkeit bei der Abfertigung der einreisenden Menschen zu erhöhen.
Kritik an Merkel
Der tschechische Vizepremier und Finanzminister Andrej Babis hat unterdessen die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel wegen deren Flüchtlingspolitik mit scharfen Worten kritisiert. Merkel sei schuld an der aktuellen Flüchtlingskrise, weil sie "alle Syrer nach Deutschland eingeladen" habe, erklärte Babis am Sonntag im tschechischen TV-Kanal "Prima".
"Deutschland begeht ökonomischen Selbstmord in Live-Übertragung (...) Falls sie (Merkel, Anm.) die deutsche Wirtschaft vernichten will, soll sie es weiter so machen", erklärte der populäre Milliardär und Chef der populistischen Protestpartei ANO. "Frau Merkel will überall Syrer haben, sodass alle Araber jetzt Syrer geworden sind", so Babis weiter.
Tschechien will keine Umverteilung
Die "einzige Lösung" der Flüchtlings-Krise sieht Babis in der Schließung der Schengen-Grenze. "Wenn die Badewanne leck ist, muss man die Löcher zustopfen", sagte der Finanzminister und kritisierte erneut die vereinbarten EU-weiten Flüchtlingsquoten. Diese "werden aus dem einfachen Grund nicht funktionieren, weil die Flüchtlinge nicht zu uns ( Tschechien) sondern nach Deutschland wollen", so Babis, dessen Land trotz der vergleichsweise geringen Zahl von Asylanträgen zu den Hardlinern in der Flüchtlingspolitik innerhalb der EU zählt. Tschechien lehnt die Umverteilung der Flüchtlinge in Europa weiter ab. Hilfsorganisationen kritisieren auch den Umgang mit den Schutzsuchenden, unter anderem weil die Flüchtlinge in Internierungslagern festgehalten werden.
Am Montagvormittag haben sich rund 10.500 Flüchtlinge in Österreich befunden. "8.000 Menschen haben in betreuten Quartieren übernachtet", sagte Gerry Foitik, Bundesrettungskommandant des Österreichischen Roten Kreuzes (ÖRK). "Wir gehen davon aus, dass in den nächsten zwei Tagen die Zahl der nach Österreich kommenden Menschen weiter gering sein wird", erklärte Foitik.
Die aktuell rückläufigen Zahlen ergeben sich dadurch, "dass gestern weniger Menschen nach Österreich gekommen sind als in den vorangegangenen Tagen und dass mehr als bisher ihre Reise nach Deutschland fortsetzten konnten", erläuterte der Bundesrettungskommandant.
Eher ruhig soll es daher auch bis Mitte der Woche bleiben. "Wir wissen von den Kollegen, dass etwa auch in Kroatien die Zahlen zurückgegangen sind", erklärte Foitik. "Es kommen aber nach wie vor etwa 7.000 Flüchtlinge pro Tag in Griechenland an, sie werden ihren Weg weiter fortsetzten", sagte Foitik. Daher werde es auch "wieder Tage mit höheren Zahlen ankommender Menschen geben".
Ruhig war die Lage zu Wochenbeginn auch in Wien. Nachdem in der Nacht rund 5.700 Betten in Notquartieren in der Bundeshauptstadt belegt waren, befanden sich am Vormittag rund 1.000 Personen auf dem Haupt- und Westbahnhof. "Sie werden laufend mit Sonderzügen der ÖBB Richtung Westen gebracht", sagte Polizeisprecher Paul Eidenberger.
Burgenland: Rund 8.400 Grenzübertritte am Sonntag
Rund 8.400 Flüchtlinge sind am Sonntag im Burgenland eingetroffen. Das teilte die Landespolizeidirektion mit. Davon kam wieder die überwiegende Mehrheit, nämlich rund 8.000, am Grenzübergang Nickelsdorf an. Etwa 300 Menschen überschritten die Grenze bei Heiligenkreuz, 100 wurden im Hinterland aufgegriffen.
Der Flüchtlingszustrom reißt auch am Montag nicht ab. Seit Mitternacht sind bis 6.00 Uhr fast 2.000 Personen im Burgenland angekommen, davon etwa 1.900 in Nickelsdorf und 90 in Heiligenkreuz.
Ruhige Nacht in Oberösterreich
Die vergangene Nacht verlief den Hilfseinsatz für Flüchtlinge betreffend vergleichsweise ruhiger. Das gab das Rote Kreuz Oberösterreich am Montag bekannt. Demnach hat die Hilfsorganisation 1.650 Menschen betreut.
Die Kapazitäten sollen aber weiterhin aufrechterhalten werden. "Wir rechnen auch weiterhin jede Nacht mit einer Vollbelegung", stellte Stefan Neubauer vom Landesverband Oberösterreich fest. Material- sowie Personalplanungen seien bereits bis Mitte Oktober vorgenommen worden.
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Mehr als 1.200 Menschen in steirischen Notquartieren
Während die Lage an der steirisch-slowenischen Grenze am Montagvormittag weiterhin ruhig war, hat das Rote Kreuz über 1.200 Flüchtlinge in den beiden Notquartieren in Graz und Feldkirchen versorgt. Sie waren von burgenländischen Grenzübergängen in die Grüne Mark gebracht worden. Die Polizei hatte keine Grenzübertritte in die Steiermark verzeichnet, es würden auch am Montag keine erwartet, hieß es.
Das Rote Kreuz betreute am Vormittag 830 Flüchtlinge im ehemaligen Euroshopping-Center in Graz-Webling. Gegen Mittag kamen noch etwa 130 hinzu. In der früheren Bellaflora-Halle in Feldkirchen bei Graz waren es um die 260 Personen. Zusätzlich werden Versorgungsdienste am Grazer Hauptbahnhof sowie am Bahnhof in Fürstenfeld vom Rettungsdienst geleistet. Da zuletzt weder in Spielfeld noch in Bad Radkersburg Schutzsuchende angekommen waren, werden die für diese Sammelstellen organisierten Rot-Kreuz-Mitarbeiter derzeit nur in Bereitschaft gehalten.
In der Steiermark waren über das Wochenende 157 Mitarbeiter des Roten Kreuzes im Einsatz, die von 264 Mitgliedern des Team Österreich unterstützt wurden. Beide Wochenende-Tage zusammengerechnet wurden von den Helfern 370 sanitätsdienstliche Versorgungen durchgeführt.
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