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23.08.2017

Kurz: "Wunderwuzzi" und "schwarzer Messias"

Kurz: "Wunderwuzzi" und "schwarzen Messias"

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Sebastian Kurz will die ÖVP umkrempeln. Aus der in die Jahre gekommenen Volkspartei machte er eine Bewegung, die Richtung Nationalratswahl rollt. Umfragen sehen die ÖVP mit Abstand ganz vorne. Doch wer ist bloß dieser Kurz?

Der gebürtige Meidlinger war nicht nur jüngster Staatssekretär Österreichs, sondern hat Karl-Heinz Grasser den Titel als jüngster Minister abgejagt. Mit 27 Jahren wurde er 2013 zum Außenminister.

Kaum jemand zuvor wurde mit so viel Skepsis beäugt wie er: 24 war er, als er das Amt des Integrationsstaatssekretärs übernahm. Davor war der Wiener JVP-Chef; den jungen Schwarzen war er schon 2003 beigetreten.

Dort sorgten seine Ideen aber nicht nur für Beifall. Vor allem die Kampagne für den 24-Stunden-Betrieb der Wiener U-Bahn brachte ihm Kritik ein. Die sexuelle Anspielung auf den Plakaten wurde von mehreren Seiten als "sexistisch und geschmacklos" gebrandmarkt – dennoch: Der Plan ging auf, der Nachtbetrieb kam.

2010 der nächste kleine Dämpfer für den Vorzeige-Schwarzen: Beim Wahlkampf zur Gemeinderatswahl waren es Kurz‘ markige Worte und die Wahl des Partei-Autos, die ihm Spott eintrugen. Das "Geilomobil" - ein Hummer - und der Wahlkampfauftakt im Moulin Rouge unter dem Motto "Schwarz macht geil" waren nicht jedem geheuer.

Den Bund und Michael Spindelegger störte das wenig. Sie hoben den damals 24-Jährigen auf den Chefsessel des neu geschaffenen Integrationssekretärs. "Integration durch Leistung" war damals sein Leitmotiv – etwas, das er auch für sich selbst beanspruchen konnte: Seine Leistungen überzeugten, seine Performance überzeugte auch Kritiker.

Auf die Fahnen heften konnte er sich vor allem eine gelungene Kampagne gegen das Schulschwänzen, seinen Einsatz für die direkte Demokratie und die Liberalisierung des Staatsbürgerschaftsrechts. Auch sein Kontakt zu NGOs hat ihm geholfen.

Bei der Nationalratswahl 2013 wurde sein Engagement auch von Wählerseite belohnt: Am 29. September erreichte er mit etwa 35.700 Vorzugstimmen das bundesweit beste Ergebnis aller Kandidaten.

Als ihn Michael Spindelegger 2013 zum Außenminister machte, wurde erneut Skepsis laut. Ein Jus-Student ohne Titel sollte die als hochnäsig verschriene Diplomatie lenken? Doch auch hier waren die Zweifel rasch beseitigt.

Sein strategisches Meisterstück lieferte Kurz im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise, wo er von Anfang an nicht die "Refugees Welcome" und "Wir schaffen das"-Stimmung aufnahm, sondern mahnend den Finger hob - und nun stets darauf verweist, dass er bei diesem Thema schon immer eine realistische Position eingenommen habe.

Mit dem Drehen der öffentlichen Meinung beim Migrationsthema kam Kurz' große Stunde. Bis heute lässt er sich als Schließ- und Sperrmeister der Balkan-Route feiern - und versucht nun selbiges für das Mittelmeer.

Zweites publikumsträchtiges Thema des Außenministers ist die Türkei. Ganz offen tritt er gegen eine türkische EU-Mitgliedschaft auf.Berührungsängste nach rechts hat Kurz relativ wenige, gehört er doch zur seltenen Spezies europäischer Mitte-Rechts-Politiker

Innenpolitisch hielt sich der Außenminister dagegen bisher zurück, wenn es nicht um Flüchtlings- und Integrationspolitik bzw. gegen den politischen Islam geht.

Nach dem Rücktritt von Reinhold Mitterlehner wurde Kurz VP-Chef und will nun mit der "Liste Kurz" Bundeskanzler werden. Innerparteilich freute man sich über den "schwarzen Messias".