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Politik Inland
08/02/2019

Sebastian Kurz’ "Sondierungs-Gespräche" – und was dahinter steckt

Der ÖVP-Chef traf sich kürzlich mit Werner Kogler und Pamela Rendi-Wagner. Jetzt folgen FPÖ und Neos.

von Christian Böhmer

Bei einer Weinkost am Pogusch erinnerten sich Werner Kogler und Sebastian Kurz im Juni daran, was sie am Abend der EU-Wahl vereinbart hatten: Sie wollten sich treffen. Zu zweit, ohne Publikum.

Genau dazu kam es vor einigen Tagen. Kurz und Kogler, so würden es Vertraute später erzählen, „beschnupperten“ einander. Kein Abendessen, bloß ein gemeinsamer Kaffee; auch konkrete Inhalte wurden nicht besprochen.

Doch weil der frühere Bundeskanzler ein paar Tage später auch die Vorsitzende der SPÖ, Pamela Rendi-Wagner getroffen hat, bemühen übereifrige Beobachter nun den Begriff der „Sondierungsgespräche“. Wieder andere versuchten aus den Treffen sogar Koalitionspräferenzen abzuleiten. Der simple Schluss: Weil Kurz Kogler vor Rendi-Wagner und Norbert Hofer getroffen hat, bevorzugt er eine schwarz-grüne Koalition.

Mit der Realität hat das nicht viel zu tun.

Sebastian Kurz versucht sich im Sommer mit allen Parteichefs zu treffen. Auch mit Norbert Hofer und Beate Meinl-Reisinger sind Treffen geplant“, sagt Kurz’ Sprecher zum KURIER. Von der Reihenfolge auf allfällige Regierungspräferenzen zu schließen, sei extrem weit hergeholt. „Die Reihenfolge ergibt sich aus der Tatsache, wann jemand auf Urlaub ist.“

Professionelle Haltung Das bestätigen auch Kurz’ Gesprächspartner. „Es gehört zu professioneller Politik, dass man Gesprächskanäle offen hält“, sagt eine Sprecherin der Grünen.

Pamela Rendi-Wagner lässt dem KURIER ausrichten, die Initiative zum Treffen sei von ihr selbst ausgegangen. Ihr Sprecher: „Wenn einander die Chefs von Parlamentsparteien nicht treffen können oder wollen, dann ist die Demokratie in Schwierigkeiten."