Checkpoint mit Falstaff-Chefredakteur und Herausgeber Wolfgang Rosam

© Kurier / Gilbert Novy

Politik Inland
05/21/2021

PR-Profi mit harter Kritik am Umgangston in der Politik

Wolfgang Rosam kritisiert Opposition, aber auch Chats: „So etwas schreibt man nicht, sagt man nicht und soll man auch nicht denken“

Österreichs führender Kommunikationsberater Wolfgang Rosam ergreift in der Debatte um den Untersuchungsausschuss, die Chats und das Strafverfahren gegen Kanzler und Finanzminister das Wort. Im Interview mit schauTV, kritisiert er den Chatverlauf, andererseits mahnt er in der gesamten Politik mehr Respekt ein.

„Die WhatsApp-Nachrichten kann man nur als eine einzige Dummheit beschreiben“, so Rosam. „Solche Dinge schreibt man nicht, man sollte sie auch nicht sagen, und man sollte sie vielleicht auch nicht denken“, so Rosam, der glaubt, dass diese auch zu einem Imageverlust führen. „Weil viele nicht vermutet hätten, dass man so locker miteinander umgeht, und weil das auch nicht der Ton und der Stil ist, den man erwartet“. Allerdings konzentriert er seine Kritik auf ÖBAG-Chef Thomas Schmid. „Im Prinzip geht es um einen Mann, aber so tickt sicher nicht die ganze ÖVP.“ Gegen manche Nachrichten, die man erhält, könne man sich ja auch schwer wehren.

Allerdings rügt Rosam auch die Oppositionsparteien: „Der Ton, das Respektlose, wie man ohne jede Achtung den politischen Gegner behandelt, sucht seinesgleichen. Das schockiert nicht nur mich sondern auch viele andere Menschen“. Das betreffe auch den Umgang mit dem Bundeskanzler. Rosam pocht im Interview darauf, dass auch für den Regierungschef bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung zu gelten habe. „Natürlich steht der Bundeskanzler unter besonderer Beobachtung und muss die Wahl seiner Worte dreimal überdenken. Aber er ist auch nur ein Mensch. Aus einer semantischen Diskussion wird hier versucht, einen Super-Skandal zu machen“. Rosam spricht sich für eine Live-TV-Übertragung der Untersuchungsausschüsse aus, weil sich Ton und Klima dadurch verbessern würden.

Checkpoint mit Falstaff-Chefredakteur und Herausgeber Wolfgang Rosam

Eine stärkere Rolle wünscht sich der PR-Profi auch vom Bundespräsidenten. „Er schaut sich das zu lange erste Reihe fußfrei an. Natürlich hätte es längst einen Ordnungsruf geben müssen, dass es zu keinen Vorverurteilung kommt. Und dass es eine Abrüstung der Worte geben muss. Das kann er ja sehr charmant.“ Am Freitag – nach dem Rosam-Interview – meldete sich Alexander Van der Bellen auch erstmals zu den Vorwürfen gegen den Kanzler zu Wort (siehe Bericht oben).

Und wie sieht Rosam die Regierungsarbeit angesichts der aufgeheizten Lage? „Es scheint ja jetzt vor dem Sommer tatsächlich das Licht am Ende des Tunnels zu geben. Auch da haben viele nach der Aussage des Kanzler gelästert, dass sich das nicht ausgehen könne. Aber jetzt muss die Regierung zur Sacharbeit kommen und weniger auf Inszenierung setzen.“ Er wünscht sich Maßnahmen gegen die drohende Wirtschaftskrise. „Wir müssen in einen Status des Aufschwungs kommen. Den brauchen wir, weil wir hohe Schulden gemacht haben. Verharren wir jetzt nicht in der Opferrolle“.

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