Politiker: "Sehe ich aus wie ein Gauner?"

Nationalratsabgeordnete
Foto: Boroviczeny/KURIER V.l.n.r.: Elisabeth Hakel (SPÖ), Maximilian Linder (FPK), Josef Muchitsch (SPÖ), Wolfgang Großruck (ÖVP), Dorothea Schittenhelm (ÖVP), Harald Walser (Grüne)

Korruption: Immer neue Skandale und Streit im U-Ausschuss – wie Abgeordnete mit ihrer neuen Rolle als Watschenmänner umgehen

Einen rauen Ton sind die Parlamentarier gewohnt. Am Rednerpult sind viele nicht gerade zimperlich. Doch was sie wegen der Korruptionsskandale von ihren Wählern zu hören bekommen, übertrifft die Polit-Auseinandersetzung bei Weitem. Der KURIER fragte sechs Regional-Abgeordnete, wie es ihnen als Watschenfrau und Watschenmann so ergeht.

Der steirische Gewerkschafter Josef Muchitsch (SPÖ) vergleicht sich mit den Wutbürgern und erklärt sich selbst zum "Wutpolitiker". Er sei sogar "noch mehr sauer als die Bürger. Ich habe es satt, das ausbaden und verteidigen zu müssen, was andere angerichtet haben." Die "Horrormeldungen" aus dem U-Ausschuss seien deprimierend: "Wir reißen uns tagtäglich die Hax’n aus, um den Menschen das Sparpaket zu erklären. Aber letztendlich werden alle Politiker in einen Topf geworfen." Neue Richtlinien für die Politik seien wichtig, dabei müsse man allerdings aufpassen, dass sich die Parteien "nicht gegenseitig herunterreden", warnt Muchitsch.

Seine steirische SPÖ-Kollegin Elisabeth Hakel ist gelassener. "Mir selbst ist man nicht böse. Die Leute unterscheiden: Das ist die Politik vor Ort, und das ist dort in Wien passiert." Die meisten Menschen hätten ohnehin andere Sorgen: "Ich habe vor ein paar Tagen mit Jugendlichen diskutiert. Da ging es um Lehrstellen und Arbeitsbedingungen. Der Ruf der Politik war da gar kein Thema."

In persönlichen Gesprächen werde sie nicht beschimpft, aber per eMail komme das schon vor, erzählt ÖVP-Mandatarin Dorothea Schittenhelm. Wie reagiert die schwarze Frauenchefin und Bürgermeisterin von Bisamberg (NÖ)? "Ich schreibe zurück, rufe die Leute an, rede mit ihnen. Wenn ich im Land unterwegs bin, spreche ich das Thema Korruption gleich selber an. Ich erkläre den Unterschied zwischen Sponsoring und Korruption. Und ich sage auch, dass nicht alle Politiker in einen Topf geworfen werden können, wenn es ein oder zwei schwarze Schafe gibt." Eines ist für Schittenhelm klar: "Der Fall Strasser hat der ÖVP sehr geschadet."

Der oberösterreichische ÖVP-Mandatar Wolfgang Großruck vertraut auf seine persönliche Überzeugungskraft. "Ich sag zu den Leuten: Sehe ich aus wie ein Gauner? Du eh nicht, heißt es dann." Der ehemalige Bürgermeister ist überzeugt, dass Regionalpolitiker mit anderen Maßstäben gemessen werden, zumal auch die jüngsten Skandal-Causen nur Einzelfälle seien. Mit dem U-Ausschuss hat er so seine Probleme: Die Vorwürfe müssten endlich strafrechtlich geklärt werden.

"Ich glaube, dass die Leute gar nicht mehr unterscheiden, wer zu welcher Partei ge-hört", sagt der freiheitliche Abgeordnete Maximilian Linder. Wurde er selbst schon beflegelt? "Nur einmal hat einer zu mir gesagt: ,Ihr faulen Hund, ihr arbeitet ja nix.’ Als er erfahren hat, dass ich auch Gastwirt und Bauer bin, hat er sich entschuldigt." Was muss man tun, um das Ansehen der Politiker zu verbessern? "Nein sagen, wenn man eingeladen wird. Den Kontakt zu den Leuten suchen." Eigentlich müsste jeder Politiker selbst beurteilen: "Was geht – und was geht nicht?"

"Insgesamt ist das schon ein desaströses Bild, das die Politikerkaste jetzt abgibt", meint der Vorarlberger Grün-Mandatar Harald Walser. Er werde bei jeder Gelegenheit darauf angesprochen, dabei habe er "ein bisschen den Grünen-Bonus" und werde nicht persönlich verantwortlich gemacht. Der Gymnasial-Direktor wünscht sich, dass die Politik mit klaren Transparenzregeln reagiert – und mit Grundsatzarbeit: "Es muss deutlich gemacht werden, dass Politik alle betrifft , und dass sich alle daran beteiligen sollten. "

(kurier / Maria Kern, Magdalena Rauscher-Weber) Erstellt am
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