Je mehr Mikrofone auf ihn gerichtet sind, desto mehr kommt ÖVP-Finanzminister Schelling in Schwung.

© APA/ROLAND SCHLAGER

Polit-Ritual
07/15/2015

Wie sich Schelling & Co vor der Presse geben

Genervte, Durchläufer und Selbstinszenierer im Ministerrat: Eine KURIER-Bilanz vor der Sommerpause.

von Karin Leitner

Es ist ein wöchentliches Polit-Ritual. Jeden Dienstag um 10 Uhr kommen die Regierenden im Kanzleramt zusammen. Am vergangenen Dienstag letztmals vor der Sommer-Auszeit.

Das Procedere ist immer gleich: Medienleute harren der Minister und Staatssekretäre im Steinsaal. Nicht gemeinsam queren ihn diese, um in den Sitzungssaal zu gelangen. Einzeln rücken sie an. Die Roten kommen von rechts, über das Treppenhaus, die Schwarzen von links, aus des ÖVP-Vizekanzlers Büro. Gelegenheit für die Journalisten, sie zu diesem und jenem zu befragen. Die Aktualität bestimmt das Was – das Wie ändert sich nie.

Minister-Typologie

Da gibt es die Schnelldurchläufer: Jene, die froh sind, von Fragen unbehelligt durchzugelangen. SPÖ-Infrastrukturminister Alois Stöger ist so einer. Auch ÖVP-Familienministerin Sophie Karmasin, SPÖ-Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek und SPÖ-Staatssekretärin Sonja Steßl gehören in diese Kategorie.

In jener der Genervten ist dann und wann Sozialminister Rudolf Hundstorfer. Ungern lässt er sich die Aufnahmegeräte unter die Nase halten, um erneut sagen zu müssen, was er gegen die hohe Arbeitslosigkeit zu tun gedenkt.

Möchtegerns sind ebenfalls mit von der Partie: Solche, denen anzumerken ist, dass sie nichts gegen ein Interview hätten, so bedächtig passieren sie den Pressetrupp. Und dann wird es wieder nichts mit Schwenk und Ton auf ÖVP-Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter und Harald Mahrer, den ÖVP-Staatssekretär.

MINISTERRAT: SCHIEDER

MINISTERRAT: SCHELLING

MINISTERRAT: SCHELLING

MINISTERRAT: SCHIEDER

MINISTERRAT: STÖGER

MINISTERRAT: HUNDSTORFER

MINISTERRAT: PRESSEFOYER

Dieses Problem haben SPÖ-Klubchef Andreas Schieder und ÖVP-Finanzminister Hans Jörg Schelling nicht. Ob Koalitionsklima oder Reformverhandlungen – von Schieder will immer jemand etwas wissen. Er spricht vor Kameras auch gern. Heeresminister Gerald Klug tut das ebenfalls. Top-Mann in der Spezies der Selbstinszenierer ist Schelling. Der Hüne mit der sonoren Stimme zelebriert seine Auftritte. Die Unterlagen legt er ab, um sich - gut ausgeleuchtet – zu postieren. Dann referiert der – im doppelten Wortsinn – Gefragte. ÖVP-Klubchef Reinhold Lopatka, Justizminister Wolfgang Brandstetter und Außenamtsvormann Sebastian Kurz zwängen sich unbehelligt vorbei an der Meute. Schellings Mitarbeiterin schaut ungeduldig auf die Uhr.

Dick aufgetragen

So auch gestern. Bei diesem koalitionären Stelldichein ist einmal mehr wenig auf der Agenda: der Sicherheitsbericht für das Vorjahr, das Thema Griechenland, die Atomverhandlungen. Und es gilt auch da: Je dünner die Tagesordnung, desto dicker tragen Kanzler und Vizekanzler hernach verbal auf.

Am 25. August wird es fortgesetzt, das Polit-Ritual.

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