NS-Devotionalien, Symbolbild

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Politik Inland
01/30/2019

OÖ: Prominente fordern von Stelzer härteren Kampf gegen Rechts

"Seit Jahren die meisten rechtsextremen Straftaten" in Oberösterreich - Linzer Rektorat bleibt "Burschenbundball" fern.

91 Prominente aus Politik, Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft fordern in einem offenen Brief den oberösterreichischen Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) auf, entschlossener gegen den Rechtsextremismus in seinem Bundesland vorzugehen.

"Sorgen Sie bitte für eine wirksame Bekämpfung der vielen rechtsextremen Straftaten und anderer rechtsextremer Aktivitäten in Oberösterreich!", endet der Brief. Er ist unter anderem von Altkanzler Franz Vranitzky (SPÖ), Ex-Raiffeisen-General Christian Konrad, Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, Kabarettist Josef Hader und Schauspieler Harald Krassnitzer unterzeichnet.

Stelzer wird in dem Schreiben daran erinnert, dass Oberösterreich unter allen Bundesländern "seit Jahren die meisten rechtsextremen Straftaten aufweist". Von 2014 auf 2017 sei die Zahl von 109 auf 192 gestiegen – also um 76 Prozent.

Stelzer: „Der Abgang von Michael Strugl fordert auch mich persönlich.“

Kritik an Ehrenschutz

Der Landeshauptmann wird auch im Zusammenhang mit dem so sogenannte "BurschenBundBall" direkt adressiert: "Sehr geehrter Herr Landeshauptmann! Noch andere Ereignisse zeigen den höchst fragwürdigen Umgang mit Rechtsextremismus und Antisemitismus in Ihrem Bundesland. Obwohl häufig braune Aktivitäten von Burschenschaften bekannt werden – zuletzt ein konspiratives Neonazi-Konzert der ‚Germania zu Ried‘ – übernehmen Sie alljährlich den Ehrenschutz für den 'Burschenbundball', der die Salonfähigkeit der schlagenden Verbindungen vortäuscht." Stelzer regiert in Oberösterreich gemeinsam mit der FPÖ.

Wie heute außerdem bekannt wurde, wird der "BurschenBundBall" am Samstag diesmal jedenfalls ohne Rektoren der Linzer Johannes Kepler Universität über die Bühne gehen. Im Vorfeld hatte es Wirbel wegen eines Inserats des Alumniklubs der JKU im Heft des Burschenbund-Balls gegeben. Dort wurde mit den Worten "und bleiben wir doch treu" um Mitglieder geworben. Die Zeile stammt aus einem deutschen Volks- und Studentenlied, das in der Zeit des Nationalsozialismus zum "Treuelied" der SS wurde. Die JKU distanzierte sich von dem Inserat, der Geschäftsführer des Vereins musste gehen.

Demo gegen Ball

Als weitere Folge gab das JKU-Rektorat nun bekannt, man werde dieses Jahr nicht beim Ball der "nationalen waffenstudentischen Verbindungen" (Eigendefinition) im Palais Kaufmännischer Verein in Linz dabei sein. JKU-Rektor Meinhard Lukas hatte seit Amtsantritt den Ball zwar besucht, war aber in seinen Reden stets gegen Antisemitismus aufgetreten.

Das Bündnis "Linz gegen Rechts" hat zur traditionellen Demonstration gegen den "BurschenBundBall" aufgerufen. Die Demo startet am Samstag um 16.30 Uhr am Linzer Pfarrplatz, am Martin-Luther-Platz findet um 18 Uhr die Schlusskundgebung statt.