Politik | Inland
29.08.2017

Hofer will es allen noch einmal zeigen

Hoffen auf Hofburgstimmen. Der FPÖ-Frontmann absolviert bis 15. Oktober neuerlich einen Marathon-Wahlkampf

Biergeschwängerte, schwüle Luft, kaum freie Sitzplätze und Kellner, die sich durch die Menschenmassen plagen. „Franky“s Hasenstall“, eines der größten Festzelte am Wachauer Volksfest, ist voll. Es ist Montag, besser gesagt: Der „Blaue Montag“. Dass die FPÖ am zweitgrößten Volksfest Niederösterreichs auftrumpfen will, hat mittlerweile Tradition. „Wir sind wegen Norbert Hofer da“, sagt eine Gruppe junger Burschen zum KURIER. Ob sie am 15. Oktober FPÖ wählen werden? „Sicher, was sonst? Die haben halt’ die besten Ideen.“

Nach „The Hotdogs“-Band tritt ein FPÖ-Redner nach dem anderen auf die Bühne. Walter Rosenkranz, Kremser FPÖ-Nationalratsabgeordneter, lässt wissen: „Das Schlimmste, das uns nach dem 15. Oktober passieren kann ist, dass nicht Rot-Schwarz regieren, sondern Schwarz-Rot.“ Dann tritt Norbert Hofer ans Pult. „Norbert“-Rufe, „HC Strache“-Schals werden hoch gehalten und so manches Bierglas geht zu Bruch. „Wir gehen unseren Weg unbeirrt und haben Österreich im Herzen. Darum kann uns niemand aufhalten, das verspreche ich euch!“ Trotz verlorener Bundespräsidentenwahl: „2,2 Millionen Wähler haben mir ihre Stimme gegeben, und das ist erst der Beginn unseres Weges!“ Seine Niederlage führt er unter anderem auf türkische Doppelstaatsbürger zurück, von denen „man weiß, was sie wählen. Jedenfalls nicht die FPÖ.“


Blauer Rundumschlag

Hofers Auftritt ist nur der Beginn der FPÖ-„Fairness Tour“. 44 Termine sind bis zur Wahl schon fix. Hofer wird in Tirol, Wien, Kärnten, Salzburg, Oberösterreich und dem Burgenland unterwegs sein. Mal mit HC Strache, mal allein. Hofers Rede gleicht einem Rundumschlag: „Alle, die gegen mich gekämpft haben, sind mittlerweile verschwunden. Faymann ist weg, Glawischnig auch und die NEOS kämpfen um den Wiedereinzug ins Parlament.“ Im Stakkato kritisiert er ORF-Gebühren, Bürokratie, Registrierkassenpflicht, um sich dann dem blauen Lieblingsthema zu widmen. „Die Flüchtlinge kosten uns zwei Milliarden jedes Jahr.“ Deshalb fordert der Dritte Nationalratspräsident einen U-Ausschuss, um zu klären, wer für die Masseneinwanderung 2015 verantwortlich ist. „Habt ihr gemerkt, wie sich Wien verändert“, fragt er ins Publikum. „Ja! Zu viele Ausländer“, tönt es von manchem Tischen zurück. Schutzbedürftig seien nicht Zuwanderer, sondern die Österreicher. Ausländische Straftäter sollten die Haft im Heimatland verbüßen, IS-Rückkehrern die Staatsbürgerschaft aberkannt und Islam-Schulen- und -Kindergärten geschlossen werden. „Der Islam darf kein Teil Österreichs werden!“ Hofers Sager folgt frenetischer Applaus.
Nach einer Stunde tritt er von der Bühne, um sich beinah doppelt so lange Zeit für Fans und deren Selfies zu nehmen. Welche Rolle er im Falle einer FP-Regierungsbeteiligung spielen würde, lässt er auf KURIER-Nachfrage offen. „Der Umweltbereich, Energie Luftfahrt, aber auch Außenpolitik“ interessiere ihn. „Wenn wir regieren sollten und ich werde gebraucht, mach ich’s gerne.“

Johannes Mayerhofer