© Kurier/Juerg Christandl

Interview
11/14/2021

Michael Pammesberger: "Natürlich sind auch einfache Leute deppert“

Wen der KURIER-Karikaturist im Schlaf zeichnen kann, welcher Regierungsneuzugang Potenzial hat und warum bei einem Triell einer umfällt.

von Johanna Hager

KURIER: Wie ist der Titel des Pammesberger-Buches 2021 „So long Covid!“ zu verstehen?

Michael Pammesberger: Der Titel kann in zwei Richtungen gelesen werden, nämlich als Abschiedsgruß und als Seufzer. Jetzt sind wir ja eher in der Seufzerphase.

Kurz hat einen „Schritt zur Seite“ gemacht. Schade für den Karikaturisten?

Kurz zählt zu den Politikern, die ich im Schlaf zeichnen kann. Wenn ich im Altersheim sitzen und meinen Namen nicht mehr kennen werde, ihn werde ich zeichnen können. Es gibt lieb gewonnene Mitarbeiter eines Karikaturisten, die plötzlich nicht mehr da sind. Aber, Kurz ist ja nicht ganz weg und: So eine Sache hat immer einen Nachhall. Ich zeichne ja heute noch Kreisky und Haider. Daran sieht man: Der gezeichnete ist beständiger als der wirkliche Politiker.

Zeichnerisch zufrieden mit den Neuzugängen?

Mückstein war zuerst kein guter Ersatz für den Anschober Rudi. Erst hatten wir Pressekonferenzen im Minutentakt, dann gähnende Leere und Gespenstergebüsche, die aus dem Gesundheitsministerium gerollt sind. Beim neuen Kanzler ist Potenzial drinnen. Schallenberg hat Profil und Kanten und eine Chance sowohl als Kanzler und auch als Karikatur.

Du schreibst, 2021 war sensationeller und unglaublicher als 2020. Was genau war so sensationell?

Wir dachten, der Herr Bundespräsident hätte endlich seine Ruhe von Regierungs- oder Verfassungskrisen und jetzt ist es wieder anders gekommen. So ein Wirbel ist immer gut für den Karikaturisten, aber meistens nicht so gut für das Land.

Was ist gerade gut für den Karikaturisten?

Es ist charakteristisch für die Zeit, dass Karikaturisten polemische Zeichnungen quasi nach unten machen müssen, weil diese Corona-Leugner notwendigerweise karikiert werden müssen. Normalerweise richtet sich die Kritik eher nach oben, zu den Mächtigen. Jetzt sind oft die Ohnmächtigen unten dran. Da gibt es ein völlig irrationales Verhalten, das gezeichnet werden muss. Den sogenannten kleinen Mann, die kleine Frau. Es gibt Leute, die meinen, man darf nur oben die Mächtigen kritisieren. Ich halte das für einen Blödsinn, denn natürlich sind auch die einfachen Leute deppert.

Apropos deppert: Was sagt der Oberösterreicher dazu, dass die Infektionszahlen dort derart hoch sind, die Impfrate so schlecht ist?

Ich wundere mich sehr über meine Landsleute, weil ich das Gefühl habe, sie verpfuschen es gerade. Normalerweise gelten ja die Kärntner oder die Burgenländer als Hauptverdächtige und notorische Widerstandskämpfer gegen eh alles.

Der Bad Ischler (Jahrgang 1965) studiert Rechtswissenschaften, arbeitet als Jurist, ehe er durch einen Zeichen-Wettbewerb erst neben-, dann hauptberuflich das Fach wechselt und Karikaturist wird. Im Jahr 1991 beginnt er bei den Oberösterreichischen Nachrichten – seit 1997 zeichnet Pammesberger für den KURIER.

Und wie reagieren die Österreicher auf das Spiegel-Vorhalten durch Michael Pammesberger?

Wenn man mit einer Karikatur in eine Facebook- oder Whatsapp-Gruppe von Impfgegnern oder -skeptikern gerät, was schon passiert ist, dann geht es rund. Aber da muss man durch.

Wie lassen sich krude Theorien überhöhen?

Wir sind mit dem Entwurmungsmittel, das ein Parteichef empfiehlt, schon bei einem Punkt, wo mir nicht mehr viel einfällt.

Vielleicht wird die deutsche Regierung ein dankbares Motiv?

Ja. Das Kanzlerkandidaten-Trio hab ich schon gezeichnet. Mit dem „Triell“ hab ich ja meine Probleme gehabt. Triel ist ein Vogel. Ein Triell … man erschießt sich doch nur zu zweit. Wenn sich drei duellieren also triellieren, dann fällt nur einer um. Außerdem ist das unfair. Es spielen auch nicht drei Mannschaften gegeneinander Fußball.

Buchtipp: Michael  Pammesberger: „So long Covid!“ Ueberreuter Verlag.136 Seiten.22 Euro

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