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Politik Inland
03/01/2019

Meinl-Reisinger zur Kurz-Karenz: „Ich werde angefeindet“

Die Neos-Chefin will maximal zwei Monate in Babypause bleiben. Ihren Kritikern ist das bei weitem zu kurz.

von Christian Böhmer

Bald ist Schluss. In wenigen Tagen verabschiedet sich Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger aus der Politik, sie wird zum dritten Mal Mutter. Wie gehen sie und ihre Familie die Sache an? Wie regelt sie die Karenz?

KURIER: Frau Meinl-Reisinger, Sie wollen sich maximal zwei Monate Auszeit nehmen. Warum eigentlich so kurz?

Beate Meinl-Reisinger: Das ist eine gute Frage und ehrlich gesagt stelle ich sie mir täglich – immerhin wird’s nicht leichter. Aber mit dem Vorsitz der Neos habe ich einen Job und eine große Verantwortung übernommen. Ab 8. März gebe ich Ruhe, und nach der Geburt Anfang April bleibe ich noch einen Monat zu Hause.

Und dann?

Übernimmt mein Mann.

Man könnte einwenden: Wenn Sie nur so kurz abkömmlich sind, ist die Opposition ja ganz schön matt aufgestellt.

Ich nehme wohlwollend zur Kenntnis, dass mir in der Opposition eine starke Rolle zugesprochen wird. Aber ich rede lieber über die Neos, und aus dieser Sicht muss man sagen: Unsere Kritik ist dringend nötig, denn politisch ist das Land sehr monothematisch unterwegs. Es geht nur um Zuwanderung, Migration und Kriminalität, große Zukunftsthemen bleiben auf der Strecke. Ich will zum Beispiel endlich über die Steuerreform und massive Entlastungen der Bürger reden. Mit der Sicherungshaft schwirren Ideen durchs Land, die autoritär sind – und gegen die man sich als liberaler Mensch wehren muss. Die Regierung ist mit wesentlichen Strukturreformen angetreten. Da bin ich sehr dafür. Aber es passiert eben nicht.

Einspruch. Was ist mit dem Kinderbonus? Diese Änderung ist schon in Kraft und führt zudem zu einer Entbürokratisierung, weil jeder weiß: Pro Kind und Jahr zahlt man 1500 Euro weniger Steuern. Muss man das als Reform nicht anerkennen?

Ich habe nichts dagegen, Familien zu entlasten – wir haben dem Bonus auch zugestimmt. Aber die Entlastung muss weiter gehen. Der Faktor Arbeit muss entlastet werden, wir wollen deutlich unter die 40-Prozent-Grenze. Und nur ein Wort zum Familienbonus: Die Kinderbetreuungskosten waren bis dahin steuerlich absetzbar, das heißt: Es gab einen Anreiz zu arbeiten, weil der Staat die Kosten für die Kinderbetreuung anerkannt hat. Den Familienbonus bekommt jeder, der Anreiz, Kinderbetreuungskosten abzusetzen, fällt aber weg. Und da reden wir noch gar nicht davon, dass es bei der Kinderbetreuung in Österreich immer noch viel Luft nach oben gibt.

Apropos: Wie werden Sie das machen mit der Betreuung?

Mein Mann ist ein Profi. Er geht zum dritten Mal in Karenz – und freut sich sehr darauf. Was nicht heißt, dass ich nicht immer wieder Retro-Debatten erleben würde.

Retro-Debatten?

Gerade in den sozialen Medien werde ich angefeindet, weil es manche daneben finden, dass ich als Mutter nicht zu Hause bleibe.

Also dass Sie nicht zumindest ein Jahr beim Baby sind?

Viel mehr! Für manche sollte ich zwei Jahre oder noch länger daheim bleiben.

Und was antworten Sie?

Dass ich das anders sehe. Jeder, der Kinder hat, weiß: Zuerst schaut man aufs Kind und wie es ihm geht. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es Kindern sehr gut tut, wenn Vater und Mutter eine Zeit lang zu Hause sind und das Kind mit eineinhalb Jahren in einen Kindergarten kommt, wo es – behutsam – den Umgang mit anderen lernt.

Wo sehen Sie bei der Kinderbetreuung die Probleme?

Wir leiden unter einer rückwärtsgewandten Politik, die verkennt, dass man sich in ein verzerrtes, glorifiziertes Familienbild zurücksehnt. Es gibt jede Menge Alleinerziehende, es gibt keine Großfamilien mehr und die Frauen sind heute viel besser ausgebildet, sie wollen arbeiten gehen. Dafür fehlen aber oft die Rahmenbedingungen.

Was halten Sie eigentlich von verpflichtender Väterkarenz?

Bei der Pflicht wäre ich vorsichtig. Aber wir müssen andere Anreize schaffen. Ich halte es zum Beispiel für unklug, dass der Kündigungsschutz und Karenzanspruch unterschiedliche Dinge sind. Man sollte das zusammenführen. Bei der Familienzeit, die wir Neos vorschlagen, hat jeder Elternteil Anrecht auf 12 Monate Auszeit. Das Maximum an Geld und Auszeit gibt es nur, wenn man es sich zu gleichen Teilen aufteilt.

Abschließende Frage: Wie oft werden Sie noch nach Matthias Strolz gefragt? Schon lange nicht mehr. Was wollen's denn wissen?

Fehlt ihm die Politik?

Schwer zu sagen. Ich habe letzte Woche mit ihm telefoniert. Ich hatte nicht den Eindruck. Es geht ihm gut.