Politik | Inland
23.08.2017

Einer, der gerne polarisiert

Einer, der gerne polarisiert

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Mehr als 30 Jahren stand der gebürtige Steirer im Dienst der Grünen – nun kandidiert er bei der NR-Wahl mit einer eigenen Liste. Aber auch davor war der studierte Volkswirt politisch durchaus umtriebig.

Zu Studentenzeiten war er Teil einer Gruppe, aus denen heute politische Gegner hervorgingen: Pilz war beim VSStÖ aktiv, umringt von späteren Konkurrenten wie Josef Cap, Michael Häupl oder Renate Brauner (Bild).

Mit dem jetzigen Wiener Bürgermeister (hier auf einer Archivaufnahme aus Kommunalpolitik-Zeiten) überwarf sich der Kapfenberger dann aber - es folgte der Beitritt zur Gruppe Revolutionärer Marxisten, einer Trotzkisten-Initiative, bei der er sich auf Uni-Ebene engagierte. Mit Pilz in den Reihen der linken Studenten aktiv: die Publizisten und Journalisten Robert Misik, Raimund Löw und Georg Hoffmann-Ostenhof.

Doch auch dort hielt es den umtriebigen Pilz nicht allzu lange. Der Protest gegen das Kraftwerk Zwentendorf und die Besetzung der Hainburger Au fungierten als Grundsteine für die poltische Grün-Bewegung in Österreich – mittendrin war damals auch Peter Pilz.

Er ist eines der Gründungsmitglieder der Grünen Alternative, zog 1986 für die junge Umweltbewegung in den Nationalrat ein.

Zwei Jahre später kannte seinen Namen die ganze Nation: Noricum und Lucona. Beide Causen wurden vor einem U-Ausschuss verhandelt, Pilz war damals wie heute bei der Recherche und Nachverfolgung an vorderster Front.

Die Grünen hatten sich politisch etabliert und waren zugleich ihrem Ruf als Partei der Unangepassten gerecht geworden. Pilz trug maßgeblich dazu bei: Etwa, als er öffentlich zur militärischen  Befehlsverweigerung aufrief – oder als er 1991 dafür eintrat, die Partei einer Totalreform zu unterziehen.

Pilz legte 1991 sein Mandat im Parlament zurück und kämpfte als Grünen-Frontmann um den Einzug in den Wiener Landtag.

Neben seinem Job als Klubobmann der Wiener Grünen wurde er auch Bundessprecher der Bewegung, von 1992 bis 1994.

Nach zwei Jahren legte er den Vorsitz zugunsten von Madeleine Petrovic zurück. Es folgten Jahre der internen Querelen bei den Grünen, die erst Alexander van der Bellen – zumindest nach außen hin – beilegen konnte; belohnt wurde dies mit Zugewinnen bei den Nationalratswahlen 1999.

Und dort blieb er bis heute. Seine spitze Zunge trug ihm dort so manchen Spitznamen ein – Spaltpilz oder Giftpilz sind nur zwei davon.

In den vergangenen Monaten sorgte er immer wieder für mediales Aufsehen und innerparteiliche Aufregung. Ob Eurofighter, politischer Islam oder Zustand der Grünen: Peter Pilz hatte was zu sagen.

Pilz verlangte schon seit längerem einen Kurswechsel der Grünen, hin zum linken Populismus. Beim Bundeskongress im Juni 2017 kam die Abfuhr.

Dort ist er in der Abstimmung um den vierten Listenplatz dem Jugend-Kandidaten Julian Schmidt unterlegen. Er lehnte es ab, für einen Listenplatz weiter hinten zu kandidieren, auch einen von der Parteiführung angebotenen Vorzugsstimmenwahlkampf schlug er aus.

Stattdessen verkündete er seine Trennung von der Partei, die er mitbegründet hat. Am 15. Oktober tritt er mit einer eigenen Liste an.