Politik | Inland
02/02/2019

Kassenfusion: Das türkis-blaue Personalpaket

Regierung schnürt Personalpaket. Sobotka-Vertrauter wird ÖGK-Chef, neue Namen auch im Dachverband.

Die große und heftig umstrittene Kassenfusion der Bundesregierung nimmt konkrete Formen an.

Die neun Gebietskrankenkassen gehen in der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) auf. Und der bisherige Hauptverband über alle Sozialversicherungsträger wird zu einem kleineren Dachverband über dann nur noch fünf Träger umgemodelt. Operativer Start ist 2020.

Auch wenn stets betont wird, dass es um das Führungspersonal erst ganz zum Schluss geht, sickern schon Monate vorher die Namen der neuen Chefitäten durch.

An die Spitze der neu geschaffenen, mächtigen ÖGK soll Bernhard Wurzer (48) rücken, berichten Insider.

Der Niederösterreicher gilt als Vertrauter von ÖVP-Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka, der für die Volkspartei im Hintergrund die Kassenfusion verhandelt hat. Wurzer ist seit April 2013 Generaldirektor-Stellvertreter im Hauptverband der Sozialversicherungsträger. Davor war der frühere Jung-ÖVPler sieben Jahre lang Stadtrat in St. Pölten.

Wurzer soll als Generaldirektor in der ÖGK drei Stellvertreter zur Seite gestellt bekommen. Um die Wogen ein wenig zu glätten, dürfte hier ein schwarzer, ein blauer und auch ein roter Funktionär zum Zug kommen. Die konkreten Namen stehen aber noch nicht fest.

Dafür gilt Peter Lehner (49) als klarer Favorit für den neuen Chefposten im künftigen Dachverband. Er löst den bisherigen Hauptverbandschef Alexander Biach ab.

Auch Lehner ist kein Unbekannter. Der Unternehmer war von 2003 bis 2005 Chef der Jungen Wirtschaft, bevor er ab 2009 für die ÖVP auch in die Kommunalpolitik seiner Heimatstadt Wels einstieg. Aktuell ist Lehner vor allem aber Obmann-Stellvertreter in der Pensionsversicherungsanstalt (PVA).

Von dort wird Lehner heuer an die Spitze der neuen Sozialversicherung der Selbstständigen (SVS) wechseln, eine Fusion aus der bisherigen SVA (gewerbliche Wirtschaft) und SVB (Bauern). Als neuer SVS-Obmann kann Lehner im zweiten Schritt zum Dachverbandschef aufsteigen. So besagen es die komplizierten Spielregeln der Kassenfusion, der eine „Überleitungskonferenz“ ab April vorausgeht.

Der zweite Mann im neuen Dachverband ist ein Freiheitlicher – und zwar Matthias Krenn (59). Seine Ernennung ist noch nicht ganz fix, er gilt aber als Favorit für den Vize-Posten.

Der gebürtige Villacher Krenn ist nicht nur seit vielen Jahren Hotelier und Bürgermeister in Bad Kleinkirchheim. Krenn leitet seit 2014 den RfW (Ring freiheitlicher Wirtschaftstreibender) und ist als solcher auch einer der Vizepräsidenten in der Wirtschaftskammer Österreich.

Krenn sitzt außerdem im Vorstand des Hauptverbands. Er dürfte nun zum Obmann der ÖGK gewählt werden (neben dem operativen Chef Wurzer) und kann von dort aus auch im Dachverband tätig sein. Ob er dafür überhaupt Zeit findet?