© jürg christandl

Neues Dienstrecht
02/22/2013

Ja zu mehr Arbeit – für höheren Lohn

Wie angehende Lehrer über die von Rot und Schwarz geplante Reform denken.

Drei Ministerinnen, die Spitzen der Lehrer-Gewerkschaft; sogar der mächtige Beamtengewerkschafter Fritz Neugebauer sitzt mittlerweile am Verhandlungstisch über ein neues Lehrer-Dienstrecht (siehe unten).

Von den Politikern weiß man, was sie wollen, detto von den Standesvertretern. Was wünschen jene, die die Reform spüren werden – also die künftigen Pädagogen?

„Mehr arbeiten wäre okay, man soll dafür aber auch entsprechend entlohnt werden“, befindet Susanne, die Deutsch und Biologie an der Universität Wien studiert. Von einem neuen Lehrerdienstrecht hat sie bisher nur flüchtig gehört: „Es klingt auf den ersten Blick ganz nett, weil man am Anfang mehr verdient. Nach sieben Jahren soll sich das aber schon nicht mehr auszahlen“, urteilt die 21-Jährige.

Mehr Geld

Siegfried (23) will später an einem Gymnasium Deutsch unterrichten. Über das, was die Regierenden für seine Zukunft planen, denkt er ähnlich wie Susanne: „Eine Erhöhung des Einstiegsgehalts ist notwendig. Österreich liegt hier im Ländervergleich weit hinten.“ Dazu komme, dass es Lehrer in den Anfangsjahren besonders schwer hätten; das habe er von Kollegen, die schon seit Längerem unterrichten, gehört. „Man muss gerade zu Beginn jede Stunde extra vorbereiten und sich alle Unterlagen zusammensuchen.“

Mehr Geld zu Berufsbeginn behagt auch jenen, die alsbald an Volks- und Hauptschulen sowie an berufsbildenden Schulen unterrichten werden. Wie etwa Anja (21) und Stefanie (23), die sich Mode und Design verschrieben haben: „Als Junglehrer braucht man mehr Eigenmittel. Damit der Lebensstart gelingt, wäre die Gagen-Erhöhung wichtig.“

Schluss mit Tadel

Wobei sie anmerken: Zusätzliche Arbeitsaufwand an der Schule müsse genau definiert werden. „Man darf nicht vergessen, dass Lehrer enorme Vor- und Nachbereitungszeiten haben. In der Gestaltung des Unterrichts wird ja immer mehr Innovation gefordert“, sagen die beiden. Sie wünschen sich deshalb, dass die Bevölkerung mehr über die Arbeitsverhältnisse von Pädagogen erfährt. „Lehrer-Bashing“ nach dem Motto „Die haben eh’ nichts zu tun“ sei unangebracht.

An der Pädagogischen Hochschule Wien ist die Verunsicherung merklich groß: „Es herrscht Verwirrung, was jetzt kommt, alle hängen in der Luft“, sagt Studentin Lisa. Ihre Kollegin Nadja möchte künftig Volksschulkinder lehren. Zum Vorhaben von Rot und Schwarz, die Arbeitszeit der Lehrer zu erhöhen, sagt die 21-Jährige: „Ich habe diese Berufssparte nicht gewählt, um mittags heimgehen zu können. Wir rechnen sowieso damit, später in einer Ganztagsschule viel länger in den Klassenzimmern bleiben zu müssen.“

Jetzt mischt sich der Beamtenboss ein

Nach dreieinhalbwöchiger Pause wird wieder um eine Einigung gerungen. Seit gestern Abend verhandelt die Regierung mit den Frontleuten der Gewerkschaft ein neues Lehrerdienstrecht. Neben den Ministerinnen für Bildung, Beamte und Finanzen werden die Chefs der Pflichtschullehrer und der AHS-Lehrer und sogar der mächtige Beamten-Gewerkschafter Fritz Neugebauer am Tisch sitzen.

Fehlender Konsens

Dass sich bisher nicht einmal die Regierung auf eine gemeinsame Linie für die Verhandlungen einigen hat können, zeigt, wie hoch die Hürden auf dem Weg zu einem Ergebnis sind. Es gibt sowohl ideologische als auch inhaltliche Probleme: Bildungsministerin Claudia Schmied will etwa die (ideologische) Trennung im Bildungswesen zwischen AHS-, BHS- und Pflichtschullehrern sprengen – ein Dienstrecht mit einem Gehaltsschema und einer gemeinsamen Ausbildung soll das alte System ersetzen.

Inhaltlich haben die Gewerkschafter der Regierung klargemacht, was sie an deren Vorschlag sicher nicht akzeptieren können:

- Eine generelle Erhöhung der Lehrverpflichtung;

- die Betreuung der Schüler am Nachmittag im Rahmen der Lehrverpflichtung;

- die Streichung der Zulagen;

- eine geringere Lebensverdienstsumme;

- und ein Einsatz aller Lehrer in allen Schultypen;

Die Regierung hat ihr Angebot zwar inzwischen nachgebessert, doch ob das die Gewerkschaft schon zufriedenstellt, ist zu bezweifeln. Schließlich wird an der Reform seit zwölf Jahren gearbeitet.

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