Politik | Inland
13.09.2018

50 Prozent der Wiener Schüler haben andere Umgangssprache als Deutsch

Laut neuem Integrationsbericht gibt es Verbesserungen, aber bei der Sprachförderung nicht die gewünschten Ergebnisse.

Ministerin Karin Kneissl bestritt heute einen ihrer seltenen Auftritte als zuständiges Regierungsmitglied für Integration. An der Seite von Katharina Pabel, der Vorsitzenden des Expertenrates für Integration im Außenministerium, stellte die parteifreie Ministerin auf einem Regierungsticket der Freiheitlichen am Vormittag den neuen Integrationsbericht vor. Dokumentiert wird darin etwa, dass die Zuwanderung im Vergleich zum Vorjahr aufgrund des Rückgangs an Asylmigration abgenommen hat. Dennoch nahm der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund in den vergangenen Jahren stark zu: Derzeit leben laut Bericht 1,97 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in Österreich, so der Bericht. Damit wurzelt knapp jeder Vierte im Ausland.

Zum Vergleich: Im Jahr 2010 waren es noch 1,54 Millionen, also rund ein Viertel weniger. Die größte Gruppe ausländischer Staatsbürger sind nach wie vor Deutsche mit rund 186.000 - gefolgt von Serben und Türken. In Wien lag der Anteil von Schülern mit einer an deren Umgangssprache als Deutsch in Neuen Mittelschulen bei 73 Prozent, in Wiener Volksschulen spricht rund die Hälfte in der Freizeit nicht Deutsch.  Zwar sind 54 Prozent der Befragten der Meinung, Integration funktioniere hierzulande  schlecht oder gar nicht - dennoch bedeutet dies eine leichte Verbesserung im Vergleich zum Vorjahr.

Türken fühlen sich der alten Heimat zugehörig

Positiver als noch im Jahr zuvor sehen auch die Zuwanderer selbst die Lage: 92 Prozent fühlen sich in Österreich heimisch. Das bedeutet eine Steigerung von drei Prozentpunkten im Vergleich zum Jahr zuvor. Auch zeigt die Studie, dass sich die zweite oder dritte Generation von Zuwanderern in Österreich deutlich heimischer fühlt als die erste. Auffallend ist auch: Vor allem bei Türken und Syrern ist die Verbundenheit gen Heimat groß - und vor allem stärker als die Verbundenheit zu Österreich. Die erste Generation türkischer Zuwanderer fühlt sich zu einem Drittel der alten Heimat verbunden - nur rund ein Fünftel fühlt sich Österreich stärker zugehörig. Türkische Zuwanderer lehnen auch den österreichischen Lebensstil stärker ab als andere Gruppen: Der Integrationsbericht weist in diesem Punkt eine Ablehnung vorn rund 25 Prozent aus.

In punkto Arbeitsmarkt besteht indes ein signifikanter Unterschied zwischen österreichischen Staatsbürgern und Zuwanderern. Knapp ein Drittel der 2017 arbeitslosen 412.000 Menschen besaß eine ausländische Staatsbürgerschaft. Während die Arbeitslosigkeit unter Österreichern 7,5 Prozent beträgt, liegt sie bei zum Arbeitsmarkt zugelassenen Ausländern bei 12,5 Prozent. Von jenen Zuwanderern, die nicht aus der EU kommen, liegt die Arbeitslosigkeit gar bei einem knappen Fünftel. Die Erwerbstätigenquote betrug indes bei Personen mit Migrationshintergrund rund zwei Drittel, bei jenen ohne Migrationshintergrund waren es 75 Prozent.