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Politik Inland
12/05/2011

Hypo: Millionen-Sturm im Wasserglas

Glocks Geldtransfers: Neue Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft rücken gewisse Ermittlungen der CSI in ein seltsames Licht.

Anfang Jänner 2011 flogen zwischen der CSI Hypo und Ex-Hypo-Chef Wolfgang Kulterer die Fetzen: Die vom Finanzministerium eingesetzten Ermittler deuteten "spektakuläre Auffälligkeiten" bei einer Überweisung an und äußerten den Verdacht der Geldwäsche. Hintergrund: Kulterer möge endlich den Kunden nennen, dem er im Jahr 2004 drei Millionen Euro im Koffer überbracht haben will. Und: Auch ein Geldfluss von weiteren 50 Millionen Dollar in Richtung Karibik sei ungeklärt. Beide Transaktionen waren 2004 über ein Hypo-Konto in der Schweiz abgewickelt worden. Kulterers Anwalt empörte sich damals über dieses öffentliche Aufforderung heftig: Er selbst habe der CSI Hypo längst den Namen des Kunden genannt, für den Barbehebung bzw. Überweisungen durchgeführt wurden.

Wenige Tage später, am 9. Jänner, offenbarte der KURIER, für wen der Drei-Millionen-Euro-Koffer bestimmt war: Für Gaston Glock, Waffenproduzent aus Kärnten, einer der reichsten Österreicher. Auch die 50 Millionen Dollar wurden im Auftrag des Kunden auf ein Konto bei der Bank of Bermuda weitergeleitet.

Doch die CSI Hypo beharrte auf der Anrüchigkeit der Geldtransfers: "Das sind nur Gerüchte und Andeutungen, die wir überhaupt nicht ernst nehmen", verlautete ein Sprecher damals. Man benötige Schriftliches.

Neue Details

Mittlerweile stellt sich die Frage, ob in dieser Angelegenheit nicht ein Sturm im Wasserglas inszeniert wurde. Und zwar von der CSI Hypo höchstselbst. Denn: Dem KURIER liegt nun das Protokoll der Zeugeneinvernahme von Glocks Vermögensverwalter vor, das mit 28. Juni 2011 datiert und vom offiziell ermittelnden Staatsanwalt angefertigt wurde. Darin heißt es, Gaston Glock habe im Jahr 2004 bei einer Schweizer Bank zwei Depots aufgelöst und den Bestand auf ein Hypo-Konto bei ebendieser Bank transferiert.

"In weiterer Folge wurde von diesem Hypodepot ein Betrag von USD 51.163.505,96 auf einen Trust auf den Bermudas übertragen, der wirtschaftlich Gaston Glock zuzurechnen ist, was auch transparent ist (...) Der Euro-Betrag in Höhe von insgesamt €3.034.216,99 (...) ist letztlich in bar bei Ing. Glock angekommen."

Hohe Kosten

Dieses Beispiel rückt die CSI-Hypo in ein seltsames Licht. Auch Bank-intern soll sich das Klima zwischen der Führung der Hypo Alpe Adria und der Ermittlertruppe in den letzten Monaten deutlich verschlechtert haben. Zur Erinnerung: Die CSI-Hypo war im Zuge der Notverstaatlichung (Ende 2009) vom Finanzministerium eingesetzt worden, um "jeden Beleg drei Mal umzudrehen" und die Schuldigen auszumachen. Hypo-Insider klagen mittlerweile über "massive Behinderung der Hypo-Umstrukturierung" durch die CSI, deren Arbeit bis dato 18,4 Millionen Euro gekostet hat. Wolfgang Peschorn, als Chef der Finanzprokuratur auch für die CSI verantwortlich, wollte weder zum Fall Glock noch zu Fragen im Allgemeinen Stellung nehmen.

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