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Politik | Inland
07/16/2019

Heimspiel bei roter Österreich-Tour: Rendi-Wagner geht zum Volk

SPÖ im Wahlkampf: Gut gelaunt startet Pamela Rendi-Wagner auf dem Wiener Naschmarkt ihre Bundesländer-Tour.

„Man braucht einen guten Magen am Balkan“, sagt Pamela Rendi-Wagner lachend in die Runde und eilt schon zum nächsten Marktstand. Die SPÖ-Vorsitzende meint das nicht politisch. Es soll ein Scherz sein, sie ist gut drauf, heute geht es ja auch ums Essen.

Die Programm-Verantwortlichen meinen es gut mit ihrer Chefin: Vom Falafel mit Humus über schwarzen Tee und getrocknete Kiwi-Scheiben bis zum türkischen Honig und ebenso klebrigem Baklava. Rendi-Wagner wird überall etwas angeboten, sie kommt gut an und greift auch beherzt zu. Zum Start ihrer Österreich-Tour lächelt sich die SPÖ-Chefin fast schon routiniert durch die Menge und engen Gassen zwischen den farbenfrohen Obst-, Gemüse- und Kebab-Ständen.

Viele Fotos, Hände schütteln, lockere Fragen, ebenso lockere Antworten, stets Lächeln dazwischen – die übliche Politiker-Inszenierung möchte man meinen. „Wenn ich jeden Tag auf dem Naschmarkt wahlkämpfen würde, wäre es vorbei mit der Figur“, legt die SPÖ-Chefin scherzhaft nach.

Slim-Fit wie Kern

Die Distanz zu den „normalen Menschen“, mitunter zum Wahlvolk, die ihr nachgesagt wird, zeigt sie am Naschmarkt nicht. Sie gewinnt im direkten Gespräch ohne Fernseh-Kamera. Gekleidet ist „Pam“, wie sie alle nennen, betont leger und erinnert – ganz auf Slim-Fit – an ihren glücklosen Vorgänger Christian Kern, der auch gerne den Naschmarkt besuchte. Rot ist bei der SPÖ-Chefin dieses Mal nur der Lippenstift.

 

Es ist auch leicht, sich entspannt zu geben: Touristen schwärmen ihr von Wien vor, alt eingesessene Marktstandler heißen sie willkommen, Erasmus-Studenten aus Frankreich wollen ein Foto mit ihr, oder auch ein „richtiger Verehrer“ aus Mattersburg. „Lassts mir den Dosko grüßen“, sagt sie nach dem obligaten Gruppenfoto.

Der Naschmarkt wird so zum Heimspiel für die SPÖ-Chefin. Auch Heinz Fischer war seinerzeit schon da, wie Fotos bei einem großen Obststand beweisen.

Fragen, die ihr auf den Magen schlagen könnten, bleiben Rendi-Wagner erspart. Der eine oder andere Verkäufer schimpft natürlich auf die neue Marktordnung – seit Monaten ein Riesen-Streit in Wien. Rendi-Wagner verweist auf Stadträtin und Parteikollegin Ulli Sima und eilt weiter. Sie tut sich leichter mit Sätzen wie: „Ich stehe für ernsthafte Gespräche mit jeder Partei außer der FPÖ zur Verfügung, in jeder Konstellation.“ Das heißt wohl: Rendi-Wagner dürfte sich selbst als Vizekanzlerin unter einem Bundeskanzler Sebastian Kurz vorstellen können.

Kein Gemeindebau

Für den Tross, der sie begleitet, ist der Naschmarkt an diesem Tag bereits die dritte

Station. Der Besuch bei benachteiligten Jugendlichen in einer Volkshilfe-Wohngemeinschaft oder die Runde durch die Per-Albin-Hansson-Siedlung im Arbeiterbezirk Favoriten, wo Rendi-Wagner aufgewachsen ist, finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die bunten Bilder vom Naschmarkt gefallen ihrem Wahlkampfteam besser. Dabei hätte sich ihre Geschichte vom Kind aus dem Gemeindebau, das es geschafft hat, bestimmt noch einmal prima verkauft.