Grundsteinlegung: Muzicant, Mailath-Pokorny, Faymann, Deutsch und Kopf

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Zeremonie
09/08/2014

Grundstein zum Wiener Wiesenthal Institut gelegt

Das neue Institut für Holocaust-Studien soll im November 2015 seine Pforten öffnen.

Das Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien (VWI) erhält eine neue Heimat: Voraussichtlich ab November 2015 wird die Forschungs- und Vermittlungseinrichtung an die Adresse Rabensteig 3 in der Inneren Stadt übersiedeln. Am Montag fanden sich Vertreter von Politik und Kultusgemeinde zusammen, um den Grundstein zu legen und vor neuen Formen des Antisemitismus zu warnen.

"Es ist ein Tag großer Freude und ein sehr wichtiger Schritt, um Wien endgültig als Zentrum der Aufarbeitung der Shoah zu etablieren", freute sich Oskar Deutsch, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG), bei der Grundsteinlegung. Schon Wiesenthal selbst habe gewollt, dass seine gesammelten Dokumente sowie seine Bibliothek nach seinem Tod in Wien verbleiben, meinte Deutsch. Inmitten des neu erstarkten Judenhasses sei es wichtig, ein Forschungszentrum als Gegenpol zu schaffen, dass sich mit den Folgen von Antisemitismus beschäftigt, bezog sich Deutsch auf antisemitische Vorfälle in den vergangenen Monaten.

Auch Ariel Muzicant, ehemaliger Präsident der IKG, nutzte den Anlass, um vor dem "dramatisch gestiegenen" Antisemitismus in Europa zu warnen. "Ich habe mir überlegt, was Simon Wiesenthal selbst heute sagen würde", sagte Muzicant. "Dass es wieder möglich ist, dass Synagogen brennen, hätte ihn zutiefst schockiert und getroffen", meinte er weiters. Deshalb wünschte sich Muzicant nicht nur weiter klare Signale von der österreichischen und europäischen Politik, sondern auch verschärfte Gesetze und Strafen etwa für die Unterstützung von Islamismus.

"Kein Nährboden für Hassprediger"

Mit der Grundsteinlegung habe man einen "weiteren Schritt in die richtige Richtung" getan, erklärte Bundeskanzler Werner Faymann. Damit Antisemitismus und Vorurteile nicht die Oberhand gewinnen, brauche es aber nicht nur historische Aufarbeitung. "Die wirtschaftliche und soziale Entwicklung einer Gesellschaft ist die beste Voraussetzung dafür, dass Hassprediger keinen Nährboden finden", so Faymann. Er setze sich daher für eine wettbewerbsfähige Gesellschaft mit klaren Regeln, die Fairness garantieren, ein.

Für Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) ist das VWI "Teil einer aktiven Erinnerungskultur" der Stadt Wien. Das Institut sei nicht nur eine wichtige Maßnahme zur Erinnerung, Analyse und Aufklären, sondern solle auch ein Begegnungszentrum zwischen der jüngeren Generation und den Überlebenden des Holocausts darstellen. "Wien ist dafür ein guter und richtiger Ort", sagte der Stadtrat.

Mehr Platz

Einen "Freudentag" stellte die Grundsteinlegung für den Vorstandsvorsitzenden des VWI, Georg Graf, dar. Endlich dürfe man sich auch über eine "repräsentative Verortung an einem ganz zentralen und bedeutsamen Platz in der Innenstadt" freuen. Immerhin befinde man sich hier nicht nur in unmittelbarer Nachbarschaft des Stadttempels, sondern auch nahe des Morzinplatzes und der Salztorgasse, wo Wiesenthals Büro untergebracht war.

Das VWI habe sich die "wissenschaftliche Durchdringung und kontinuierliche Vermittlung dieses dunklen Kapitels österreichischer Geschichte" zur Aufgabe gemacht, erklärte Graf. Dafür wird künftig auch deutlich mehr Platz zur Verfügung stehen: Auf rund 1.350 Quadratmetern werden die Wissenschafter arbeiten. Die Kosten von insgesamt 3,3 Millionen Euro für Räumlichkeiten und Infrastruktur teilen sich der Bund sowie die Stadt Wien. Aufgrund einer Debatte um die Finanzierung hatte sich die Grundsteinlegung um einige Wochen verschoben.

Derzeit ist das 2008 nach dem Tod Simon Wiesenthals gegründete Institut einige Häuser weiter am Desider-Friedmann-Platz untergebracht. Es beherbergt den Großteil der Dokumente Wiesenthals, shoahrelevante Teile des Archivs der IKG und ca. 11.000 Bände zum Thema. Der Standort Rabensteig stand schon zu Beginn zur Debatte. Später wurde eher das Palais Strozzi in der Josefstadt in Erwägung gezogen, doch das frühere Finanzamt erwies sich als viel zu groß und teuer.

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