Politik | Inland
29.06.2018

Frizt Enzenhofer: "Deutschklassen allein sind viel zu wenig"

Der scheidende oö. Landesschulpräsident warnt vor willkürlichen Postenbesetzungen und will mehr über Bildung reden.

Für den scheidenden oö. Landesschulratspräsidenten Fritz Enzenhofer (ÖVP) wird in Österreich "keine Bildungspolitik sondern Verwaltungspolitik" betrieben. Kritisch sieht er, dass durch die Umwandlung der Landesschulräte in Bildungsdirektionen Regeln für die Bestellungen von Lehrern, Direktoren oder der Schulaufsicht wegfielen. Hier müsse Willkür vorgebeugt werde, sagte er vor Journalisten in Wien.

Das Bildungssystem befindet sich für Enzenhofer, der Ende Juli nach 17 Jahren seinen Posten als amtsführender Präsident des oberösterreichischen Landesschulrates räumt, durch die in den vergangenen Jahren auf den Weg gebrauchte Bildungsreform in einer Umstellungsphase. Die nun endgültig mit Beginn des kommenden Jahres anstehende Umwandlung der Landesschulräte bzw. Schulabteilungen der Landesregierungen in Bildungsdirektionen hätte er "so nicht mitgemacht", sagte er am Freitag im Rahmen seiner Bilanz-Pressekonferenz.

Keine Kontrolle

Mit der neuen Struktur laufe man beispielsweise Gefahr, die Objektivität in Bestellungsprozessen einzubüßen. Das in Oberösterreich in den vergangenen Jahren etablierte System mit Assessment-Center und Hearings etwa für Bewerber für Direktorenposten "haben wir in Zukunft nicht mehr", sagte Enzenhofer. Der Bildungsdirektor könne das zukünftig "ohne Gremien und Vorgaben" entscheiden.

Verantwortlichkeit sei aber nur dann gesichert, "wenn man nicht aus Willkür entscheidet", so Enzenhofer, der dafür plädierte, hier neue Regeln zu formulieren und auch Kontrollinstanzen einzuführen. "Ich rate dazu, es möglichst transparent zu machen", denn das gebe dem Bildungssystem längerfristig Sicherheit.

Begabte im Fokus

In der Bildungspolitik sollte man sich laut Enzenhofer inhaltlich auch stärker auf Begabtenförderung und die Attraktivierung des Lehrerberufes konzentrieren. Die gezielte Förderung Hochbegabter müsse - ähnlich wie in Oberösterreich - "in die Fläche gebracht werden" und einen ähnlichen Stellenwert haben, wie das Thema "Integration".

Bei der Integration von Migranten warnte Enzenhofer vor Lösungsversuchen mit "einfachen Mitteln". Dass "unser Gesellschaftsleben" rein in Deutschförderklassen oder Deutschkursen vermittelt werden könne, sei jedenfalls ein Trugschluss.

Angesichts vieler Lehrer, die 50 Jahre und älter sind, steuern Schulen ebenfalls auf Veränderungen zu. "Wir werden bald einen enormen Lehrerbedarf haben", sagte Enzenhofer. Man müsse sich daher vor allem überlegen, "wie ich die Richtigen in den Beruf hineinbringe". Es brauche Maßnahmen, mit denen die Attraktivität und das gesellschaftliche Ansehen des Berufes und vor allem die Motivation der Lehrer gehoben werden, so der scheidende Landesschulratspräsident, der sich auch mehr Männer im Lehrerberuf wünscht.

Kleinstschulen schließen

Was die Ressourcenverteilung im Bildungssystem betrifft, könne er sich durchaus auch vorstellen, dass aus sozioökonomischer Sicht benachteiligte Schulstandorte mehr Mittel erhalten. Es stelle sich auch die Frage, ob es tatsächlich Sinn macht, Klein- und Kleinstschulen um jeden Preis zu erhalten. Aus pädagogischer Sicht gebe es gute Argumente für größere Schulen - etwa weil diese Schülern schlichtweg mehr Angebote machen könnten. Erhalten würde Enzenhofer zudem "Spezialschulen" mit Schwerpunkt auf die Integration behinderter Schüler. Pädagogen an diesen Standorten verfügten dort nämlich über großes Fachwissen. Wichtig sei hier allerdings, dass diese Schulen auch für Schüler ohne Beeinträchtigungen offen stehen.

Ganz vorne dabei

Trotz seiner Skepsis gegenüber Testungen zum Vergleich von Schülerleistungen, könne man sich auf die Fahnen schreiben, dass Oberösterreich hier praktisch überall ganz vorne mitmische. Seit 2001 habe man auch einige wichtige Schulgründungen in Oberösterreich auf den Weg bringen können, so Enzenhofer, der der Bildungspolitik als Bundesobmann der Christlichen Lehrerschaft Österreichs (CLÖ) erhalten bleibe, wie er erklärte.