Politik Inland
12/05/2011

Fall Grasser: Dubiose Geldflüsse ohne Ende

Rund um den Ex-Finanzminister reißen die Skurrilitäten nicht ab. Die eigene Familie zahlte auf sein Konto 800.000 Euro ein.

Dubiose Flüsse - Geld im Sackerl; ein Trauzeuge, der sich am Telefon als "supernackt" outet, Selbstanzeigen - rund um Ex-Finanzminister Karl- Heinz Grasser reißen die Skurrilitäten nicht ab. Und jetzt sind sie um eine Facette reicher: Format berichtet von großen Geschäften in einer kleinen Bankfiliale. Ashwien Sankholkar, der für seine Grasser-Berichte vor kurzem mit dem Worm-Preis für Investigativjournalismus geehrt wurde, schreibt: Von Ende 2005 bis Anfang 2010 wurde in der Raiffeisen Bezirksbank Klagenfurt viel Bargeld auf Grassers Meinl-Konto gezahlt - in Summe mehr als 800.000 Euro. Abgelaufen seien die Einzahlungen immer nach dem selben Muster: Ein Mitglied der Familie Grasser füllte in der Filiale einen Zahlschein an Grassers Meinl-Bank-Konto über 50.000 Euro, 100.000 Euro oder 500.000 Euro aus. Meist sei kein Verwendungszweck angegeben worden, mindestens 120.000 Euro seien vor dem 1. August 2008 geflossen - was die finanzrechtliche Frage aufwerfe, ob Schenkungssteuer abgeführt wurde.

Grenzverkehr

Aber auch darüber hinaus dürften die Vorgänge für die Ermittler interessant sein: Sie erinnern an jene 500.000 Euro Bargeld, die Grasser zwischen 2005 und 2006 - in seiner Zeit als Finanzminister - in Sackerln aus der Schweiz nach Österreich gebracht hat, um sie dann bei der Meinl Bank einzuzahlen - außerhalb der Öffnungszeiten, wie Format aus dem Buwog-Gerichtsakt zitiert. Grasser gab an, dies sei eine Botenfahrt für Schwiegermutter Marina Giori-Lhota gewesen. Die halbe Million wurde über Mittelsmänner und die Firma Ferint 2006 in einen Hypo-Genussschein der Berlin & Co. AG investiert; am Verkauf von Anteilen der landeseigenen Hypo-Alpe-Adria soll Grasser 283.000 Euro Profit gemacht haben - offiziell für Giori-Lhota.

Format zitiert hingegen aus einem Hausdurchsuchungsbeschluss, Grasser habe eigene Mittel in den Genussschein investiert, der "daraus erwachsene Gewinn" sei ihm zuzurechnen. Aus Ermittlersicht sei nicht auszuschließen, dass das Geld nicht von Giori-Lhota stamme - sondern aus jenem 7,7-Millionen-Euro-Buwog-Provisionstopf von Walter Meischberger. Grassers Trauzeuge.

Unschuldsvermutung

Bei den Hausdurchs uchungen gefundene Dokumente stützen den Verdacht laut Format - der Akt sei aber auf Betreiben Grassers und Giori-Lhotas versiegelt worden, bis zur Öffnung könne es Wochen dauern.

Grasser-Anwalt Manfred Ainedter hat am Donnerstag in einer Aussendung alle Vorwürfe zurückgewiesen. Die Zahlungsströme seien normale Überweisungen durch die Familie Grasser gewesen, die seitJahrzehnten das Institut als Hausbank nutze. Steuerlich sei alles korrekt verlaufen, betont Ainedter.

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