Politik | Inland
18.07.2017

Expertin: Mehr Personal statt Quote im Kindergarten

Die Grünen fordern Sprachquoten für Kindergärten und Volksschulen und stoßen damit auf Skepsis.

Die Forderung der Grünen nach einer Regelung für Sprachquoten in Kindergärten stößt auf Skepsis. Am Montag hatte der Grüne Bildungssprecher Harald Walser gefordert: "Kinder mit Deutschdefiziten sollten nicht zusammengefasst werden." Als ideal würde er einen Anteil von maximal ein Viertel bis ein Drittel Kinder mit Sprachdefiziten in einer Gruppe ansehen. Auch in der Volksschule wäre es für Walser "angemessen, über Quoten nachzudenken". Nach Beschluss der Bildungsreform sei laut Walser eine Initiative im Bereich Elementarpädagogik dringend notwendig, die Situation bei den Kindergärten sei derzeit "dramatisch".

Eine derartige Quote sei laut Heidi Schrodt, frühere Direktorin des Gymnasiums in der Rahlgasse im 6. Wiener Gemeindebezirk, nicht durchführbar. Man müsste Kinder demnach sogar "aus Wien hinausschicken", um eine derartige Quote zu erfüllen. Im Ö1-Morgenjournal hält Schrodt hingegen mehr Personal und die gebündelte Kompetenz in Bundes- und nicht in Landeshand für notwendig.

Mit genügend personellen Ressourcen kann man auch mit einem höheren Anteil als einem Drittel an Kindern, die nicht gut Deutsch sprechen, gut arbeiten, sagt Schrodt. Aber es braucht mehr Personal und "Know-how", wie man mit Mehrsprachigkeit umgeht. Schrodt ortet großen Verbesserungsbedarf in den Kindergärten. Die Gruppen seien demnach zu groß, auch gebe es neun unterschiedliche Regelungen zu Öffnungszeiten, Fortbildungsregelungen, etc., so Schrodt.

Standort fördern statt Quote

In Sachen Kindergarten stellt auch Bildungsministerin Sonia Hammerschmid auf Ö1 klar, dass Kinder nicht pendeln sollten, kleine Kinder sollten demnach wohnraumnah betreut werden. Aber eine Evaluierung sei notwendig: "Es ist anzunehmen, dass wir mehr Personal in den Kindergärten brauchen, aber wir brauchen vor allem pädagogische Inhalte für diesen Qualitätsrahmen." Sie fordert bundesweit einheitliche Qualitätskriterien und verweist auf die Zuständigkeit von ÖVP-Familienministerin Sophie Karmasin.

Angesprochen auf die Situation in den Volksschulen spricht sich Hammerschmid für mehr Lehrer aus, konkret von 5000 zusätzlichen Pädagogen. Das würde laut Hammerschmid pro Jahr rund 300 Millionen Euro ausmachen.

Vorarlbergs Landesrätin für Bildung, Bernadette Mennel, hält von Quoten in diesem Bereich nichts. Schulen und Kindergärten sollten für alle Kinder offen sein. Sprachförderung sei allerdings ganz wichtig, so Mennel auf Ö1. Sie warnt vor Personalnot an Kindergärten.