Politik | Inland
03.05.2018

Experte zum Bildungspaket: "Einige Punkte sind ganz gut"

Experten sehen den türkis-blauen Bildungsplan kritisch, orten aber auch positive Aspekte.

Bildungsminister Heinz Faßmann hat am Mittwoch im Ministerrat Weichenstellungen in der heimischen Schulpolitik vorgenommen. Ab 2019 soll demnach der Übertritt von der Volksschule in die AHS geändert werden. Dafür soll es in der dritten Schulstufe verbindlich "Talente-Checks" geben, deren Ergebnisse mit den Eltern erörtert werden - als "Unterstützung" für die weitere Wahl des Bildungswegs, wie es im Konzept heiß. Weitere Neuerungen: In der NMS soll die derzeit siebenteilige Notenskala überarbeitet werden, außerdem führt Türkis-Blau in den NMS ab der siebenten Schulstufe in Deutsch, Mathematik und der ersten lebenden Fremdsprache "Entwicklungsgruppen" ein. In der Volksschule wird es indes wieder Ziffernnoten geben. Österreichweit standardisiert werden soll außerdem die Einschreibung in die Volksschule, überarbeitet werden letztlich auch die Lehrpläne.

Wie sehen das jene, die damit konfrontiert sind? Nicht grundsätzlich negativ, wie ein KURIER-Rundruf zeigt. So urteilt etwa der Grün-affine Lehrer und Bildungsexperte Daniel Landau, dass es im türkis-blauen Paket "durchaus einige Punkte gibt, die ganz gut sind". Als Beispiel nennt der Bildungsaktivist etwa die nun avisierte Überarbeitung der Lehrpläne: "Das hat meine bedingungslose Zustimmung." "Sinnvoll" ist laut Landau auch das Vorhaben, den Schuleintritt zu synchronisieren. Wiewohl es Landau zufolge falsch sei, hier auch den Sprachstand der Kinder miteinzubeziehen. Teilweise positiv beurteilt Landau auch die geplanten Leistungsgruppen in den NMS, im Paket "Entwicklungsgruppen" genannt. "Auch wenn es natürlich Sinn macht, Schüler mit ähnlichem Wissen punktuell zusammenzuführen, bin ich gegen Leistungsgruppen. Besser wäre es, auch hier den Schulstandorten Autonomie einzuräumen."

"Alles nur Überschriften"

So viel zum Positiven. Denn die  "Talente-Checks", die bei der Wahl zwischen Gymnasium und NMS helfen sollen, sieht Landau "sehr kritisch". Der Grund dafür: "Diese Tests gaukeln vor, dass alle Kinder in allen Fächern gleich gut sind. Das ist aber nicht so." Will heißen: "Wenn ein Kind 15 Talente und eine große Schwäche - etwa in Mathematik - hat, kann es nach diesem Konzept nicht auf das Gymnasium." Auch die nun wieder forcierten Ziffernnoten in der Volksschule findet Landau "der verbalen Beurteilung mit Sicherheit unterlegen".

Weniger detailreich, dafür aber umso deutlicher kommentiert Lehrergewerkschafter Paul Kimberger die türkis-blauen Pläne: "Ich würde das ja gerne genau bewerten, aber bisher sind das ja nur Überschriften", sagt Kimberger zum KURIER. "Ich bitte den Minister hiermit inständig, von dieser Politik der Überschriften abzugehen und zu verhandeln, bevor man grobe Maßnahmen präsentiert", so Kimberger. Wiewohl der ÖVP-nahe Chef der Pflichtschullehrergewerkschaft erklärt, "dass das schon auch positiv werden kann" - schließlich seien neue Schulreife-Kriterien, Talente-Checks und NMS-Kleingruppen "gute Sachen". Er warnt allerdings davor, etwa mit den "Talente-Checks" Bürokratie für Lehrer zu erzeugen. "Davon haben wir jetzt bereits mehr als genug", so Kimberger.