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Politik | Inland
05/27/2019

Experte über Rendi-Wagner: "Sie spielt eine Oppositionschefin"

Der Medientrainer und frühere ZIB-Moderator Gerald Groß über die Rhetorik und TV-Auftritte der SPÖ-Chefin.

Sie hielt das Mikrofon ausnehmend fest, sie umklammerte es mit beiden Händen. Und als Pamela Rendi-Wagner am Wahlsonntag vor der Kamera stand, da waren im Hintergrund  - unscharf, aber doch - die Chefs von einigen Landesparteien und auch ein Spitzengewerkschafter zu sehen.

Rundherum? Finsternis und Schwärze.

Das düstere Setting beim Live-Auftritt in der ZIB 2 sollte die Bühne für eine "Inszenierung" sein, die nicht nur in der SPÖ für Kopfschütteln sorgt. 

Wie sooft stellte Moderator Armin Wolf unbequeme, aber nötige Fragen.

Und wie sooft wurde man bei der SPÖ-Chefin das Gefühl nicht los, dass die sich entlang von vorbereiteten Standard-Sätzen bewegte. 

In den Sozialen Medien wurde ob der dunklen Szenerie bereits von den "Totengräbern der SPÖ" gewitzelt.

Aber ist das so? Gibt es belastbare Argumente dafür, dass das ZIB2-Interview der SPÖ-Chefin tatsächlich geschadet hat?

Der KURIER hat den früheren ZIB-Moderator Gerald Groß gebeten, Rendi-Wagners Auftritt zu analysieren.

Für Medien-Trainer Groß bestätigt der jüngste Auftritt, was bei Rendi-Wagner offenkundig ist: "Sie ist in der Rolle noch nicht angekommen."

Das Setting des Interviews war für Groß ausnehmend schlecht gewählt: "Abgesehen vom schlechten Licht war auch die Idee, dass sich die Präsidiumsmitglieder hinter ihr versammeln, zu kurz gedacht", sagt Groß. Denn Parteifreunde wie Spitzengewerkschafter Rainer Wimmer oder EU-Kandidatin Evelyn Regner seien in der breiten Bevölkerung weitgehend unbekannt. "Im Gegenzug bietet ein Gruppenbild, auf dem prominente Gesichter fehlen, aber immer die Gefahr, dass sich der Zuschauer fragt: Warum ist jetzt ein Hans Peter Doskozil oder ein Peter Kaiser nicht mit dabei?"

Und: Spontane Reden mit einem Publikum im Rücken sind grundsätzlich schwierig. Groß: "Wenn man, wie Rendi-Wagner, jemanden hinter sich stehen hat, dann muss man zu 100 Prozent das Gefühl haben, dass man sich fallen lassen kann und dass diese Personen hinter einem stehen. Beim ZIB2-Interview hatte man aber eher das Gefühl, dass die Parteichefin einem Druck ausgesetzt war."

Was Rendi-Wagners Rhetorik angeht, sieht der frühere ZIB-Star noch große Schwächen. 

"Als Zuhörer frage ich mich immer, ob das, was ich sehe und höre zusammenpasst. Bei Rendi-Wagner zweifelt man. Da ist zu viel aufgesetzter Pathos und alles folgt de facto der selben Tonalität. Es klingt anklagend, mit der Welt hadernd, und das ist für die Menschen nicht authentisch - niemand hadert immer und ausschließlich."

War Pamela Rendi-Wagner demnach nie authentisch?

"Als Sektionschefin war sie das zu 100 Prozent, als Gesundheitsministerin auch noch über weite Strecken", sagt Groß

In ihrer nunmehrigen Funktion als Parteichefin sei aber für den Zuhörer spür- und hörbar, "dass sie eine Oppositionschefin spielt". Das könne, so der Experte, im Einzelfall vielleicht sogar gutgehen. "Aber es setzt voraus, dass man extrem gute Berater um sich hat, die einem bei diesem Schauspiel helfen."