Leitartikel
06/09/2015

Ein Foto als Appell: Keine Lügen bitte!

Wer Flüchtlingen auflauert, soll sich schämen. Dann auch noch einen Fotografen beschuldigen, geht nicht.

von Helmut Brandstätter

Was treibt erwachsene Wiener, denen es an nichts fehlt, dazu, sich vor einem Heim für Asylwerber aufzupflanzen und Flüchtlinge einzuschüchtern? Man kann ja mit der Zuwandererpolitik der Regierung unzufrieden sein, man kann auch über Asyl generell diskutieren. Aber wer politische Anliegen hat, soll bitte auf den Ballhausplatz zum Kanzler oder in die Herrengasse zur Innenministerin gehen und dort demonstrieren. Politiker müssen das – und viel mehr – aushalten. Die FPÖ-Sympathisanten aus Wien-Erdberg, die sich als Ausländerschreck gefielen, täten gut daran, sich schweigend zu schämen oder zu entschuldigen. Aber FPÖ-Chef Strache, nebenbei auch deren Bezirksvorsitzender, machte alles noch schlimmer. Im ORF behauptete er, das Foto des KURIER-Fotografen Jürg Christandl sei "organisiert" worden. Ein schlimmer Vorwurf an einen Foto-Reporter – und eine glatte Lüge. Die wahre Geschichte des Fotos lesen Sie hier.

Hier ist ein Muster zu erkennen: Die FPÖ ist immer sehr wehleidig, fühlt sich "ausgegrenzt" und verfolgt. Wenn sich aber ihre Funktionäre danebenbenehmen, waren andere schuld. Die FPÖ-Landstraße wollte ja auch alle "legal hier lebenden Ausländer" innerhalb von sechs Wochen in ihre frühere Heimat "zurückführen". Bis sich Entrüstung breitmachte, dann wollte es wieder keiner gewesen sein. Oder die EU: Strache sprach sich im KURIER eindeutig für eine Referendum zum Austritt aus, aber bei Interviews steht er dann wieder nicht dazu.

Was will die FPÖ? Und wofür steht sie? Die anderen Parteien haben diese Frage zu lange nicht gestellt. So haben viele Wähler ihre eigene Ideal-FPÖ vor sich. Vielleicht ist das der Grund für jüngste Erfolge.

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