Leitartikel
09/01/2013

Diesen Wahl-Sieger kann niemand wollen

Fast 3 Millionen sind noch ratlos: Noch mehr Schlammcatchen vertreibt sie endgültig ins Heer der Nichtwähler.

von Josef Votzi

Faymann gegen Spindelegger; Glawischnig kontra Strache, Bucher versus Stronach – alle sechs Parteichefs haben ihre erste Runde im TV-Studio geschlagen. Fünf von ihnen werden sicher wieder im Parlament sitzen. Mit den Neos drängt neben Stronachs BZÖ-Söldnertruppe eine vollkommen neue Partei in den Nationalrat. Dazu kommen die reanimierten Piraten und die unverwüstlichen Kommunisten. Neun Listen kandidieren so bundesweit; je nach Bundesland werden sich bis zu vierzehn Parteien am Stimmzettel finden.

Ein Angebot wie im Supermarkt, wo jeder nach seinem Geschmack etwas finden müsste, sollte man meinen. In Wahrheit regiert aber, wo immer die Rede auf Politik kommt, der Katzenjammer. Auf den Posting-Seiten im Internet entlädt sich gar blanker Hass.

Alles in allem geht ein gewaltiger Politiker-Frust um, der zunehmend auch in Umfragen sichtbar wird.

Fast jeder Zweite weiß noch nicht, wen er in vier Wochen wählen soll, so die jüngste OGM-Umfrage für den KURIER. Jeder Fünfte will erst gar nicht hingehen.

Stärkste Partei droht so eine Gruppe zu werden, die garantiert nicht im Parlament sitzen wird. Und fünf weitere Jahre im politischen Untergrund verbringen will – die Nichtwähler. 2008 waren es eineinhalb Millionen.

Heuer sind jüngten Umfragen zufolge fast doppelt so viele noch unentschlossen, wem sie ihre Stimme geben – oder ob diesmal auch sie am 29. September trotzig zu Hause bleiben.

Raumschiff Politik, bitte erden!

Wer in diesem Millionen-Heer der Unentschlossenen punktet, entscheidet in den verbleibenden vier Wochen die Wahl für sich. Diese Wähler sind aber nicht mit noch mehr Schlammcatchen zu gewinnen. Last-minute-Skandale wie die Telekom-Parteispenden stoßen nur noch mehr ab. Sie werden auch nicht durch noch brutalere TV-Duelle zu den Urnen bewegt. Im Gegenteil: Wenn Frank Stronach einem Josef Bucher im TV-Duell ausrichtet, er wäre „nur zum Koch und Kellner begabt“ , dann hinterlässt das nur zorniges Kopfschütteln oder befreiendes Auslachen. Wochen zuvor wollte der Milliardär ihn noch als Prunkstück auf seine Liste locken.

Raumschiff Politik, bitte erden: Raus aus dem Infight der Parteichefs um alte Skandale und gespielte Gegensätze. Her mit den Antworten auf die tatsächlichen Lebensfragen. Hunderttausende Eltern stehen ab dieser Woche einmal mehr vor den täglichen Nöten mit der Dauerbaustelle Schule: Fehlende Nachmittagsbetreuung, teure Nachhilfen, willkürliche Noten...

Immer mehr Österreicher kämpfen Monat für Monat zunehmend damit, mit ihrem Arbeitseinkommen ihr alltägliches Leben bestreiten zu können...

Noch wären vier Wochen und Dutzende Politiker-Auftritte in Zeitungen, Internet, Funk und Fernsehen Zeit.

In Parteizentralen graben die Wahlkämpfer aber noch immer nach dem nächsten Mini-Skandal und malen bereits am nächsten Taferl fürs TV-Duell.

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