Politik | Inland
03.08.2018

Zu dick und nicht belastbar: Immer weniger junge Österreicher tauglich

Bundesheer: "Die Zahl der Anpassungs- und Belastungsstörungen steigt".

„Früher war man, vereinfacht gesagt, wegen eines kaputten Knies untauglich. Heute ist man es oft wegen mehrerer Faktoren gleichzeitig: Man leidet unter Fettleibigkeit, hat eine Allergie – und dazu kommt allenfalls eine psychologische Komponente.“

Sylvia Sperandio hat viel gesehen in ihrem Offiziersleben. Seit mehr als zwanzig Jahren dient die Ärztin beim Bundesheer, sie ist Chefin über das gesamte Gesundheitswesen der Armee. Und was den Gesundheitszustand der jungen Österreicher angeht, gibt es offenkundig zunehmend Handlungsbedarf.

Erst kürzlich wurden heeresinterne Zahlen zum Gesundheitszustand der Stellungspflichtigen publik. Und sie zeigen: Die Gesundheit nimmt messbar ab.

So stieg allein zwischen 2000 und 2017 der Anteil der Untauglichen von 18,85 auf 22 Prozent.

Der überwiegende Teil der Untauglichen (70 Prozent) ist wegen physischer Probleme nicht in der Lage, Wehr- oder Zivildienst zu leisten. „Vorsichtig geschätzt hat sich die Zahl der Übergewichtigen in den letzten zehn Jahren verdoppelt“, sagt Sperandio. Und: Es fehlt an Bewegung. 17 Prozent aller Untauglichen leiden unter Defiziten im Bewegungsapparat. „Die Zahl der Wirbelsäulen-Skoliosen (Fehlstellungen), die mit zu wenig Bewegung und Übergewicht erklärt werden können, nimmt stark zu.“

Bemerkenswert ist, dass 30 Prozent der Untauglichen (ca. 3000 Personen) aus mentalen Gründen für einen Wehrdienst ausscheiden. Sperandio: „Die Zahl der Anpassungs- und Belastungsstörungen steigt. Offenbar verändert sich die Gesellschaft in eine Richtung, in der es jungen Menschen zunehmend schwer fällt, eine stabile Psyche zu entwickeln.“

Verschärfend hinzu kommt aus Sicht der Armee die Demografie: Denn mittlerweile sinkt die Zahl der männlichen und damit stellungspflichtigen Österreicher rapide. Allein seit 2008 ist die Zahl der Stellungspflichtigen von 47.811 jungen Männern auf 38.840 gesunken (2017).

Wie reagiert man im Ministerium? „Auf die Bevölkerungszahlen haben wir logischerweise keinen Einfluss“, sagt ein Sprecher von Verteidigungsminister Mario Kunasek ( FPÖ). Eine Konsequenz schloss man am Freitag aber aus: „An den Kriterien für die Tauglichkeit bzw. Aufnahme ins Bundesheer wollen wir sicher nichts ändern.“