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Jobsuche und Pensionen
03/11/2017

Die Alterspyramide und ihre Folgen für die Sozialsysteme

Die Zahl der zuerkannten Direktpensionen stieg im letzten Jahr um 18 Prozent. Bei den Beamten betrug der Zuwachs sogar fast 50 Prozent.

Die Sozialsysteme stehen aufgrund der heimischen Altersstruktur auf harter Probe. Ab 2020 kommt die die Baby-Boom-Generation ins Pensionsalter. Nun gibt es aktuelle Zahlen: 2016 hat es die Österreicher verstärkt in den Ruhestand gezogen. Laut aktuellem Pensionsmonitoring des Sozialministeriums stieg die Zahl der zuerkannten Direktpensionen im ASVG und bei Selbstständigen um knapp 18 Prozent. Bei den Beamten betrug der Zuwachs sogar fast 50 Prozent. Die gute Nachricht für die Finanzierbarkeit des Systems: Auch das Antrittsalter steigt.

So gingen die Österreicher im Vorjahr im Schnitt mit 60 Jahren und vier Monaten in Pension und damit zwei Monate später als 2015. Im Jahr davor lag das Antrittsalter überhaupt bei nur 59 Jahren und achten Monaten. Zu beachten ist freilich, dass die (in der Regel jüngeren) Rehageld-Bezieher, die früher als Invaliditätspensionisten gewertet wurden, in den vergangenen Jahren aus der Statistik fielen, was automatisch zu einem gewissen Anstieg beiträgt.

Psychiatrische Erkrankungen

Beim Reha-Geld gab es 2016 5.184 echte Neuzugänge. Sowohl bei Männern (56,8 Prozent) als auch noch stärker bei Frauen (62,3 Prozent) stellen psychiatrische Erkrankungen in den meisten Fällen den Grund für die zumindest vorübergehende Arbeitsunfähigkeit dar. Die oben genannten Zahlen gelten für den Bereich der gesetzlichen Pensionsversicherung, also sowohl für Unselbstständige als auch für Selbstständige. 2016 war der Anstieg beim Alter vor allem auf den ASVG-Bereich zurückzuführen. Denn bei den Gewerbetreibenden gab es bei den Direktpensionen (ohne Hinterbliebenenpensionen) sogar einen leichten Rückgang beim Antrittsalter.

Öffentlicher Dienst

Aus dem parallel vom Bundeskanzleramt fertiggestellten Monitoring für den öffentlichen Dienst geht hervor, dass das faktische Antrittsalter bei den Beamten auf 61,7 Jahre angestiegen ist. Das Plus von 0,5 Jahren ist der höchste Anstieg seit zehn Jahren. Interessantes Detail: Frauen gehen im öffentlichen Dienst mittlerweile sogar einen Hauch später in Pension als Männer - Frauen mit 61,75 Jahren, Männer mit 61,63 Jahren. Eine Erhöhung des faktischen Pensionsalters wurde in fast allen Bereichen des öffentlichen Diensts erreicht, nur nicht bei Richtern und Staatsanwälten, wo es einen Rückgang um gut ein Jahr gab. Mit knapp 63 hat diese Gruppe aber noch immer (knapp vor den Lehrern) das höchste Antrittsalter. 45 Prozent der Richter und Staatsanwälte treten mit Erreichen des gesetzlichen Pensionsantrittsalters ihre Pension an, was den höchsten Anteil im Bundesdienst darstellt. Der Exekutivdienst ist jene Gruppe unter den Beamten, die mit 59,3 Jahren das niedrigste Pensionsantrittsalter aufweist.

Keine gute Nachricht

Eine Entwicklung des Jahres 2016 kommt zwar nicht ganz überraschend, ist aber für die Regierung trotzdem keine allzu gute Nachricht. Denn die Neuzugänge in die Pension steigen deutlich. Dies liegt nicht nur an geburtsstarken Jahrgängen, die ins Pensionsalter kommen, sondern auch daran, dass die verschärften Zugangsregelungen vor allem zur Hacklerregelung aber auch zur Korridorpension viele in den vergangenen Jahren daran gehindert hatten, in die Pension zu kommen. Durch diese "Aufschubeffekte" stieg die Zahl der Neuzuerkennungen in der gesetzlichen Pensionsversicherung um immerhin 17,3 Prozent. In absoluten Zahlen waren es 81.976 Direktpensionen im Jahr 2016, wobei relativierend gesagt werden muss, dass man damit wieder in etwa zum Wert von 2014 zurückkehrt. Auch bei den Invaliditätspensionen gab es im Vorjahr ein Plus von rund elf Prozent. Noch krasser stellt sich das im öffentlichen Dienst dar. Die Zahl der Neupensionierungen im Bundesdienst stieg um knapp 50 Prozent auf 2.531.

Mit weiterem Anstieg zu rechnen

Dieser Trend dürfte sich fortsetzen. "Aufgrund der Altersstruktur im Bundesdienst ist auch in den kommenden Jahren mit einem Anstieg der Neupensionierungen zu rechnen", meint Staatssekretärin Muna Duzdar zu dem Bereich. Die Anzahl der Personen, die aufgrund der Langzeitbeamtenregelung, der Korridorpensionierung und der Schwerarbeiterregelung aus dem Arbeitsleben schieden, ist im vergangenen Jahr angestiegen. Trotz der Erschwernis und bestehender Abschläge werden Modelle des vorzeitigen Ruhestandes also immer noch intensiv genutzt: "Es liegt hier an den einzelnen Ressorts, Maßnahmen und Anreize zu setzen, um die Beamtinnen und Beamten länger im Dienst zu halten", betont Duzdar.

Zahl älterer Beschäftigter steigt

An sich erfreuliche Zahlen bietet der Monitoringbericht des Sozialministeriums bezüglich der Beschäftigung älterer Arbeitnehmer. Wie es derzeit aussieht, werden alle von der Regierung als Ziele ausgegebenen Quoten erreicht. Damit würde auch das als Drohkeule über den Unternehmen schwebende Bonus-Malus-System zur Beschäftigung Älterer nicht kommen.

Zu den Zahlen: Bei den 55- bis 59-jährigen Männern ist bis 2018 eine Beschäftigungsquote von 74,6 Prozent zu erreichen. 2016 war man schon bei 73,3 Prozent. Weiter entfernt von den Zielwerten ist man noch bei den Frauen in der Altersgruppe sowie bei den 60- bis 64-jährigen Männern. Doch auch hier lassen die Zahlen Optimismus zu. So hat man bei den Frauen zwar bei einem Zielwert von 62,9 Prozent erst eine Quote von 59,7 Prozent erreicht, doch betrug im Vorjahr der Anstieg beachtliche 2,9 Prozentpunkte. Den gleichen Zuwachs gibt es bei der Gruppe der 60- bis 64-jährigen Männer. Hier sind 35,3 Prozent zu erreichen und man liegt derzeit bei 33,1 Prozent.

Vorbildlichste Branche sind die Entsorgungsbetriebe mit einem Anteil von 26,6 Prozent an Mitarbeitern über 55. Am anderen Ende der Skala stehen die Telekommunikationsbetriebe mit 4,6 Prozent.

1.108 Betriebe jener mit mehr als 25 Mitarbeitern beschäftigen überhaupt niemanden über 55. Wie schwierig die Wiederaufnahme einer Beschäftigung für 60- bis 64-Jährige ist, zeigt sich an der Arbeitslosenquote von 15,4 Prozent von Männern in dieser Altersgruppe, schreibt das Sozialministerium.

Reaktionen auf den Monitoring-Bericht

Erwartbare Reaktionen hat der Bericht des Sozialministeriums zum Pensionsmonitoring am Freitag gebracht. So beharrte der ÖGB auf einer Arbeitszeitverkürzung, die NEOS wiederum bekräftigten die Forderung nach einem Pensionsautomatismus. Der SPÖ-Pensionistenverband beharrte auf der Einführung des Beschäftigungs-Bonus-Malus-Systems, obwohl die von der Regierung als Ziele ausgegebenen Beschäftigungsquoten für Ältere in Reichweite sind. "Erstens sind die vereinbarten Zielwerte für die Beschäftigung Älterer noch nicht zu 100 Prozent erreicht. Und auch ist das Beschäftigungsniveau bei Älteren im Europa-Vergleich zu niedrig", begründete Generalsekretär Andreas Wohlmuth. Die Präsidentin des ÖVP-Seniorenbundes, Ingrid Korosec, forderte den verantwortlichen SPÖ-Sozialminister Alois Stöger zu größeren Anstrengungen auf, um älteren Personen die Wiederaufnahme einer Beschäftigung zu ermöglichen.

Pensionssystem noch nicht fit

Der Leitende ÖGB-Sekretär Bernhard Achitz freute sich angesichts des steigenden Antrittsalters, dass die Pensionsreformen wirken. Er bekräftigte die Forderung nach einer Arbeitszeitverkürzung - etwa kürzere Wochenarbeitszeiten, weniger Überstunden, oder die leichtere Erreichbarkeit der sechsten Urlaubswoche - damit die Menschen länger gesund bleiben und später in Pension gehen können. Für die NEOS beweist hingegen die steigende Zahl an Pensionsneuantritten, dass das Pensionssystem noch immer nicht fit für den demografischen Wandel sei. Sozialsprecher Gerald Loacker bekräftigte die Forderung nach einem Pensionsautomatismus. Nur wenn das Antrittsalter an die Lebenserwartung geknüpft werde, könne die Finanzierbarkeit gesichert und die Absicherung vor Altersarmut garantiert werden. Die Junge Industrie forderte, alle Frühpensionsmöglichkeiten sofort zu streichen.

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