Politik | Inland
13.04.2018

Deutschklassen: Länder fordern 190 Millionen, Bund gibt nur 40

© Bild: APA/GEORG HOCHMUTH

Förderklassen.Länder verlangen für Umsetzung viel mehr Geld von Ministerium, Forscher kritisieren Maßnahme

Die Kritik an den Deutschklassen ist mitunter heftig: Zwei rote Bundesländer (Wien und Kärnten) und ein schwarzes (Oberösterreich) wollen mehr Geld erzwingen. Die Pflichtschullehrer wollen die Reform bis 2019 verschieben. Aber auch Sprachwissenschafter und Linguisten der Uni Wien lehnen das Gesetz ihres ehemaligen Vizerektors Faßmann als „nicht sinnvoll“ ab.

Aber worum geht es? Für die Schulreife, so hatte es vergangenen Herbst ÖVP-Chef Sebastian Kurz erklärt, braucht es „das ausreichende Beherrschen der deutschen Sprache“. Kinder, die diese Voraussetzung nicht erfüllen, sollen in Deutschförderklassen unterrichtet werden, egal, wie alt sie sind. Sobald sie die Unterrichtssprache beherrschen, sollen sie wieder am Regelunterricht teilnehmen können.

Faßmann legte im März einen Gesetzesentwurf vor: Statt bisher elf müssen die Schüler ab Herbst 15 Stunden an Volksschulen und 20 Stunden an Neuen Mittelschulen in eigenen Deutschförderklassen verbringen. Es war also ein Kompromiss, kein „Deutsch vor Schuleintritt“, sondern ein massiver Ausbau der Förderung.

Am Donnerstag endete die Begutachtungsfrist des Gesetzes. Positive Rückmeldungen kamen von den AHS-Lehrern, die von dem Plan aber kaum betroffen sind. Die Kritikpunkte im Überblick:

  • Pflichtschullehrer „Da personelle, infrastrukturelle und ressourcenmäßige Details nicht erklärt sind, ist ein Start ab Herbst aus unserer Sicht als höchst problematisch anzusehen“, warnen die Gewerkschafter der Volksschulen und Neuen Mittelschulen. Sie kritisieren auch, warum die bisher bestehende Sprachförderung nicht wie vereinbart zuerst evaluiert wurde.
  • Land Wien und Kärnten SPÖ-Finanzstadträtin Renate Brauner rechnete vor, dass allein in Wien 15.000 Schüler für die Förderung infrage kommen, bundesweit seien es rund 30.000. Das Gesetz verursache Kosten von rund 187 Millionen Euro jährlich. Budgetiert seien aber nur 40 Millionen. Zudem sei es „unrealistisch“, dass die nötigen Schulräume in den wenigen Monaten bis zum neuen Schuljahr geschaffen werden können, „die kann man nicht herbeizwinkern wie die ,Bezaubernde Jeannie’“.
  • Land Oberösterreich Die schwarz-blaue Regierung in Oberösterreich findet die Regelung grundsätzlich gut, will aber Mehrkosten von acht Millionen Euro abgegolten haben. „Da geht es ja nicht um Peanuts“, sagte ÖVP-Landeshauptmann Thomas Stelzer.
  • Sprachwissenschaftler Bitter für Ex-Uni-Wien-Vizerektor Faßmann ist die Stellungnahme der „Arbeitsgemeinschaft Komparative Psycholinguistik“ der Uni Wien und des Instituts für Sprachwissenschaft: „Generell sind wir gegen eine schulische Trennung und Segregation von Kindern mit geringen Deutschkenntnissen“, beginnen die Professoren ihre Kritik, die sie mit Zitierung von zehn Studien aus dem In- und Ausland untermauern.

Bildungsminister Faßmann will reagieren, und die Modalitäten abändern, wie der KURIER erfahren hat. Getrennt werden sollen die Kinder in einer Klasse künftig erst, wenn zumindest acht von ihnen nicht ausreichend Deutsch können. Bisher war das schon ab sechs Kindern geplant.