© Kurier/Gilbert Novy

Interview
09/15/2019

Der Mann, der Hofer zum Vegetarier machte

Neue Serie: Der Spitzenkandidat & sein bester Freund. Norbert Hofer und sein Freund Alois Rosenberger aus Pinkafeld.

von Ida Metzger

Am Anfang stand ein striktes Politik-Verbot. Am Pinkafelder Flugfeld, das nicht aus mehr als einer simplen Wiese als Start- und Landebahn, einem kleinen Fliegerstüberl und einem Flugzeughangar besteht, gibt Vereinsobmann Alois Rosenberger den Takt vor – das musste auch Norbert Hofer schnell lernen.

Im Frühjahr 2017, Hofer hatte gerade endgültig die Bundespräsidentenwahl im dritten Wahlgang verloren, stand der Blaue überraschend vor Rosenberger. Seines Zeichens ein hemdsärmeliger burgenländischer Bioladen-Besitzer inklusive kleiner Bio-Landwirtschaft, Tierschützer und überzeugter Vegetarier. Zwei Männer mit Gegensätzen – im Lebensstil, in der Haltung, im Auftreten, in der Sprache.

Hofer wollte seinen Pilotenschein wieder aktivieren. Seit seinem Paragleiterunfall war er nicht mehr selbst geflogen.

Bewerbungsgespräch

Zuerst galt es, zu überzeugen, denn Hofer schlug Skepsis entgegen: „Es war die Sorge, wenn ich Mitglied werde, dass die Politik hier einzieht“, schildert Hofer die erste Begegnung mit Rosenberger. Also musste sich Hofer, obwohl ihn landauf und landab nach dem einjährigen Wahlkampf wohl jedermann kannte, einem Bewerbungsgespräch unterziehen. „Wir schauen uns die neuen Mitglieder sehr genau an, denn wir sind ein neutraler Klub“, pochte Rosenberger auf die Vereinsstatuten. „Was Alois damals nicht wusste, ich bin ohnehin froh, wenn nicht politisiert wird“, so Hofer lachend.

Zwei Jahre später sind der burgenländische Fluglehrer und sein prominenter Schüler beste Freunde. „Best Buddy“ Alois motivierte den FPÖ-Spitzenkandidaten auch, Vegetarier zu werden. Seit Wochen ernährt sich Hofer nur mehr von Bio-Gemüse und Obst. „Es funktioniert bis jetzt ganz gut“. Der blaue Spitzenpolitiker und der Freund mit dem alternativen Lebensstil. Wie passt das zusammen? Der KURIER ging der Frage nach.

Noch zwei Wochen sind es bis zur Nationalratswahl am 29. September. Die Spitzenkandidaten haben zahlreiche TV-Duelle und noch mehr Wahlkampfauftritte absolviert. Der KURIER wollte wissen, wo die Spitzenkandidaten, Energie tanken und Abschalten.

Sie haben Norbert Hofer einem Bewerbungsgespräch unterzogen. Was war ihr erster Eindruck?

Alois Rosenberger: Er hat ein sehr hohes Gefühl fürs Fliegen. Und genauso ist dieses Gefühl auch als Mensch, das ich bei ihm wahrnehme. Nach dem Bewerbungsgespräch hatte ich das Gefühl, das kann was werden. Und genauso kam es auch.

Sie haben sich erst nach dem Hofburg-Wahlkampf kennengelernt. Da hatte man schon ein gewisses Bild vom FPÖ-Chef. Haben Sie sich über Hofer gewundert?

Rosenberger: Der Unterschied zwischen dem Politiker und dem Freund ist für mich nicht groß. Die Freundlichkeit, die viele nicht für authentisch halten, lebt er auch privat. Was mich oft wundert, ist, dass ein so hoher Politiker auf unserem Niveau über Gott und die Welt reden kann.

Norbert Hofer: In der Politik muss ich permanent Menschen überzeugen. Das muss ich hier nicht. Das ist hier eher umgekehrt. Ich werde von neuen Lebenseinstellungen überzeugt

Welchen?

Hofer: Alois ist seit Jahrzehnten Vegetarier und überzeugte mich, es auch zu probieren.

Rosenberger: Meine Frau und ich lieben Tiere, wir könnten nie die Lebewesen essen, die wir lieben. Von dieser Einstellung habe ich Norbert überzeugt. Wir waren im Sommer eine Woche gemeinsam auf einem Segelboot, da haben wir über dieses Thema beim gemeinsamen Kochen am Boot viel diskutiert.

Hofer: Auch wenn mir einmal eine ganze Chilipackung in die Suppe gefallen ist (lacht).

Sie haben einen Shop mit Bioprodukten. Wahrscheinlich ist Ihr Klientel nicht der typische FPÖ-Wähler. Erfahren Sie hier Anfeindungen, weil Hofer Ihr Freund ist?

Rosenberger: Wir haben nicht nur Alternative als Kunden. Das Leben ohne Fleischkonsum und die Bioproduktion sind für mich und meine Frau eine Lebenseinstellung, da lasse ich mich nicht in eine politische Ecke drängen. Das sollte jeden verantwortungsvollen Menschen interessieren.

Hofer: Es ist unsere Aufgabe, dass die Frage des naturnahen Lebens nicht nur einer ganz bestimmten Partei zugeordnet wird. Mein Team ist schon ganz verzweifelt, weil sie meinen, was werden die freiheitlichen Wähler wohl zum vegetarischen Leben sagen? Ich fühle mich sehr wohl damit.

Sie haben eine kurze Freundschaft. Wie konnte die so schnell wachsen?

Rosenberger: In der Luft und im Umgang mit der Sicherheit erkennt man sehr schnell den wahren Charakter. Ich sage immer: Wie man mit dem Flieger umgeht, geht man auch mit Menschen um. Beim Fliegen, gerade in kleinen Propellermaschinen, legt man sein Leben in die Hände des anderen. Das verbindet einen – vor allem auch die Nachbesprechungen im Fliegerstüberl. (lacht)

Hofer: Neuerdings bei einer Gemüsepizza und einem Hanfbier.

Wie passt Ihre Bio-Lebensweise mit dem -Ausstoß beim Fliegen zusammen?

Rosenberger: Es gibt heute mittlerweile Flieger, die ein Drittel von dem Sprit verbrauchen, den sie früher brauchten. Hauptsächlich sind bei uns Segelflugzeuge im Einsatz. Man benötigt sechs Minuten, um den Segelflieger in die Höhe zu schleppen, und dann kann man acht Stunden mit dem Segelflugzeug fliegen. Wenn Norbert und ich nach Kroatien fliegen, stoßen wir weniger aus als mit dem Auto. In der Stunde verbrauchen wir 14 Liter.

Welchen Typ Freund sucht ein Politiker wie Norbert Hofer. Einen, der Sie mit kontroversiellen Meinungen konfrontiert, oder suchen Sie einen Freund zum Aussprechen?

Hofer: Blindes Vertrauen ist das Wichtigste. Mit Alois kann ich alles besprechen. Ich muss mir beim Alois keine Gedanken machen, ob auch nur ein Wort irgendwo ausgeplaudert wird. Auch in der Fliegerei benötigt man Vertrauen, weil bei jedem Fehler, den man macht, ist der andere davon betroffen.

Rosenberger: Es geht definitiv nichts raus. Das brauchen wir gar nicht besprechen. Wir haben sehr viele persönliche Gespräche, auch über Probleme, und es bleibt, wo es ist. Wenn man jemanden zum Besprechen eines Problems hat, dann ist es schon fast keines mehr.

Haben Sie den freundlichen Hofer auch schon mal wütend erlebt?

Hofer: Der Alois ist einer der wenigen Menschen, die mich schon ein Mal laut und zornig gesehen haben.

Warum?

Hofer: Es hatte ein wenig was mit diesem Thema zu tun.

Rosenberger: Bei diesem Telefonat wurde Norbert richtig laut. Das war ungewöhnlich. Aber man hatte das Gefühl, die Botschaft ist beim Gegenüber angekommen.

Bis zur Wahl werden auch die anderen Spitzenkandidaten und ihr bester Freund zum Interview gebeten.

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