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Politik Inland
08/03/2019

Das Ende der Mittelschicht: „Die Fundamente bröckeln“

Daniel Goffarts schlechte Botschaft: Digitalisierung greift die Mittelschicht an, weil sie die Basis der Gesellschaft vernichtet.

von Sandra Baierl

Journalist und Wirtschaftsexperte Daniel Goffart ist ein fortschrittsoffener Geist. Trotzdem sieht er in der Digitalisierung massive Probleme. Er nennt sie „Jobkiller“ – die Vollbeschäftigung werde durch sie zur Illusion. „Die Digitalisierung wird die gesamte Industrie und damit die Basis unseres Wohlstands radikal verändern. Algorithmen und künstliche Intelligenz stellen das bisherige Arbeitsleben und die Beschäftigungsstruktur von Millionen Menschen auf den Kopf“, sagt er.

Dabei haben die Veränderungen gerade erst begonnen. Für Daniel Goffart stehen wir erst am Beginn der digitalen Epoche und wollen nicht wahrhaben, dass es die Welt, wie wir sie kannten, in wenigen Jahren nicht mehr geben wird. Am stärksten von den Veränderungen betroffen sei die Mitte. Die Mittelschicht sei in den vergangenen Jahren kleiner und ärmer geworden.

KURIER: Sie warnen in Ihrem neuen Buch massiv vor der Digitalisierung, weil sie das „Normale“ auslöscht, unser Sozialstaat aber genau darauf aufgebaut ist. Die Zerstörungen würde nicht mehr nur die Ränder der Gesellschaft treffen, sondern gehen quasi mittenrein in die Gesellschaft. Weshalb Ihre Schlussfolgerung „Das Ende der Mittelschicht“ ist. Ist das alles wirklich so schlimm?

Daniel Goffart: Das ist natürlich ein zugespitzter Buchtitel. Aber es gibt durch die Digitalisierung eine massive Bewegung innerhalb der Arbeitswelt, weil ein großer Teil der Routinejobs in ein paar Jahren nicht mehr da sein wird. Man merkt das jetzt schon bei Banken und den Versicherungen. Und auch in der Industrie wird sich ein tiefer Wandel vollziehen. Wenn das Auto in Zukunft nur noch eine Metallhülle mit Computer und Batterie ist. Dann wird die wichtige deutsche Autoindustrie schon bald nicht mehr viel verdienen.

Der Autokonzern VW stellt heuer 20.000 Leute frei, die Autofabrik der Zukunft wird so aussehen, dass sich die Autos quasi selbst an den automatisierten Fließbändern bauen. Die Digitalisierung wird schon bald viele Jobs und Routineaufgaben überflüssig machen.