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Politik Inland
04/02/2020

Corona-Risiko: Sozialversicherung setzt auf Ärzte anstatt auf Elga

Die Sozialversicherung ist skeptisch, ob man aufgrund von Medikamenten auf Risikogruppen schließen kann.

von Christian Böhmer

Auf den ersten Blick ist die Sache vergleichsweise einfach: Patienten mit bestimmten Krankheiten nehmen ganz bestimmte Medikamente – und das wiederum weiß die Krankenkasse, weil sie diese ja auch bezahlt.

Elga, die elektronischen Gesundheitsakte, enthält Medikamenten-Daten. Und damit der Corona-Epidemie Einhalt geboten werden kann, soll mithilfe dieser Daten nun auf besondere Risiko-Patienten zugegangen werden.

Das ist, vereinfacht gesagt, die Position im Gesundheitsministerium. Und auch die Konferenz der Sozialversicherungsträger hat Mittwochabend beschlossen, die Corona-Forschung mit anonymisierten Daten zu unterstützen.

Die Erwartung, wonach Elga Hochrisiko-Patienten ausfindig machen kann, dämpft nun allerdings Peter Lehner, der Vorsitzende der Konferenz der Sozialversicherungsträger im KURIER-Gespräch. Laut Lehner ist die Tatsache, dass ein Patient ein Medikament nimmt, längst noch kein ausreichendes Kriterium für seine Gefährdung.

„Würden wir allein nach den Arzneimitteln gehen, wäre nahezu jeder vierte Versicherte ein Risikopatient“, sagt Lehner. So sei beispielsweise nicht jeder, der ein Blutdruckmittel verschrieben bekomme, automatisch extrem gefährdet. „Und umgekehrt gibt es Patienten, die keine Medikamente nehmen und trotzdem sehr gefährdet sind, weil sie andere Risikofaktoren aufweisen oder nicht gesund sind.“

Lehner hält es für wenig zielführend, dass die Krankenkassen flächendeckend Patienten anschreiben, die bestimmte Medikamente verschrieben bekommen haben. „Das würde verunsichern und ist genau das Gegenteil von dem, was in der Krise unsere Aufgabe ist.“

Wie könnte man trotzdem an Hochrisiko-Patienten herankommen bzw. diese warnen?

Laut Lehner besteht die Lösung darin, auf die Hausärzte zu setzen. „Sie müssen angesprochen und aktiviert werden. Denn sie kennen die Erkrankungen und den Gesamtzustand der Patienten am besten.“

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