Politik | Inland
28.06.2018

Botschaft kontaktierte "Financial Times" wegen Kurz-Artikel

Dem Journalisten wäre auch die Bezeichnung "Ermöglicher der extremen Rechten" passend erschienen.

Laut einem Bericht von orf.at hat die österreichische Botschaft in Washington die Redaktion der Financial Times in Bezug auf einen am Wochenende erschienenen Artikel über Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) kontaktiert. Konkret sei es um den Begriff "Rechtsaußen-Kanzler" gegangen, der sich online nicht mehr finden lässt. Die Botschaft bestätigte gegenüber der APA den Kontakt.

Es sei "Routineaufgabe" einer Botschaft, sowohl mit Redakteuren als auch Vertretern von Think Tanks regelmäßigen Kontakt zu halten und österreichische Positionen zu erklären. "In diesem Sinne gab es auch Kontakt zu den betreffenden Personen", erklärte der Sprecher der Österreichischen Botschaft in Washington, Thorsten Eisingerich, auf Anfrage.

Der Autor des Artikels, Edward Luce, teilte orf.at mit, am Montag von der Botschaft kontaktiert worden zu sein. "Die Vertretung im Ausland sei besorgt über die Bezeichnung 'far right' gewesen", heißt es in dem Bericht vom Donnerstag. Luce habe den Artikel dann in Richtung einer "informativeren Beschreibung" abgeändert. Tatsächlich steht in der Online-Ausgabe nunmehr: "...Österreichs Kanzler Sebastian Kurz, der eine Koalition anführt, die die extreme Rechte einschließt." Dem Journalisten wäre auch die Bezeichnung "Ermöglicher der extremen Rechten" passend erschienen.

Autor entschuldigte sich nicht

Kanzler Kurz hatte am Mittwoch im EU-Hauptausschuss erklärt, dass sich die "FT" für den Ausdruck entschuldigt und den Artikel korrigiert habe. Der Autor selbst entschuldigte sich laut orf.at aber nicht. Ob sich die "FT" als solche entschuldigt hat, war von orf.at nicht in Erfahrung zu bringen.

Laut Auskunft des "FT"-Journalisten wollte die österreichische Botschaft auch in Erfahrung bringen, weshalb er die deutsche Politikwissenschaftlerin Constanze Stelzenmüller zitiert habe. Diese hatte Wien als (zum damaligen Zeitpunkt noch) möglichen Gipfelort für ein Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin als "nicht weise" bezeichnet.