Mehr Kassenärzte für Wien: ÖGK sieht "eine Sondersituation"
Die geplante Vergabe neuer Kassenarztstellen sorgt für politischen Streit. Vor allem die geplante Aufstockung in Wien stößt in anderen Bundesländern auf Kritik. In der ZiB2 war dazu Bernhard Wurzer, Generaldirektor der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK), zu Gast.
Wurzer: "Haben in Wien eine Sondersituation"
Wurzer wies den Vorwurf zurück, Wien werde bevorzugt. "Die gute Nachricht ist, dass wir in allen Bundesländern die Stellen ausbauen und es künftig mehr Versorgung im niedergelassenen Bereich gibt", sagte er. Entscheidend sei, dass insgesamt mehr Versorgung geschaffen werde. Die Verteilung beruhe auf Berechnungen von Experten.
Die Bundeshauptstadt habe jedoch eine besondere Ausgangslage. "Wir haben hier in Wien eine Sondersituation", erklärte Wurzer und verwies auf den starken Ausbau von Primärversorgungszentren. Deren Zahl sei von zehn auf über 100 gestiegen. Ziel seien Zentren mit langen Öffnungszeiten, um Spitäler zu entlasten.
"Nicht einfach, im ländlichen Raum Ärzte zu finden"
Auf die Sorge, dass der ländliche Raum weiter ausdünnen könnte, verwies Wurzer auf alternative Modelle. "Es ist manchmal gar nicht so einfach, im ländlichen Raum auch Ärztinnen und Ärzte zu finden", sagte er. Neben klassischen Kassenstellen brauche es Netzwerke, Telemedizin und neue Organisationsformen.
Das Berufsbild habe sich verändert. "Die Einzelordination, wo ein einzelner Arzt von 8 bis 12 oder von 8 bis 14 offen hat, ist nicht mehr das Modell, das junge Medizinerinnen und Mediziner wollen", betonte der ÖGK-Chef.
Beim seit Jahren verhandelten bundesweiten Leistungskatalog zeigte sich Wurzer zurückhaltend. "Geben wird es das, wenn sich beide Seiten einigen." Schwieriger mache es die notwendige Zustimmung aller Landesärztekammern. Fixe Termine nannte er nicht. Zur Diskussion über höhere Beiträge sagte Wurzer: "Eine Erhöhung der Lohnnebenkosten glaube ich nicht das richtige Signal ist." Letztlich handle es sich aber um eine politische Entscheidung.
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