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Politik | Inland
03/18/2019

Arbeiterkammer: Tirols schwarzer Chef legt gegen ÖVP-Wöginger nach

Schwarzer AK-Präsident Zangerl will Abgang von Wöginger als ÖAAB-Obmann: "Arbeiter seit Monaten gegen Interessen der Arbeitnehmer".

Ungeachtet der Kritik aus der Partei schießt sich Tirols schwarzer Arbeiterkammerpräsident Erwin Zangerl weiter auf ÖVP-Klubchef und ÖAAB-Obmann August Wöginger ein. "Ein ÖAAB-Obmann, der seit Monaten gegen die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer arbeitet und nur die Aufträge der Bundesregierung abarbeitet, ist nicht tragbar", erklärte Zangerl in einer Aussendung.

Die Art und Weise, wie über die Interessen der Beschäftigten drübergefahren und wie getäuscht werde, sei ein "unwürdiges politisches Schauspiel", polterte Zangerl. "Vom 12-Stunden-Arbeitstag, der Zerschlagung der Gebietskrankenkassen, der brutalen Entmachtung der Arbeitnehmervertreter in den Kassen bis hin zur gerechten Steuerreform - ÖAAB Obmann August Wöginger ist überall dort dafür, wenn es gegen die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und ihrer Vertretung geht", ließ der AK-Chef seinen "Parteifreund" wissen.

Die beiden Funktionen von Wöginger als ÖVP-Klubobmann und ÖAAB-Obmann seien nicht unter einen Hut zu bringen. "Das müsste er als ehemaliger Betriebsrat und Arbeitnehmer-Vertreter wohl am besten erkennen und die Konsequenzen ziehen", drängte Zangerl weiter Wögingers Abgang als Chef des Arbeitnehmerbundes der Volkspartei.

Bei so ziemlich allen Themen, die Türkis-Blau vorantreibe, vermisste der AK-Präsident einen "Aufschrei" Wögingers. Die Diskussion über die Wahlbeteiligung "mit unerhörten Unterstellungen von 'sich häufenden Ungereimtheiten'" sei nichts anderes als "der Beginn einer Kampagne gegen die Arbeiterkammern", meinte Zangerl. Die AK solle offenbar zunächst "ausgeputzt" und neu justiert werden - im Sinne der Bundesregierung. "Nächster logischer Schritt in diesem Schauspiel wird die Senkung der Kammerumlage sein und auch dabei wird Wöginger in der ersten Reihe stehen und lobende Worte finden. Einen solchen obersten Obmann haben die österreichischen Beschäftigten nicht verdient", erklärte der Tiroler Arbeiterkammerchef.

Auch Landesrätin kritisiert Wöginger

Nach Tirols AK-Chef Erwin Zangerl wartet auch AAB-Landesobfrau und ÖVP-Landesrätin Beate Palfrader mit Kritik an ÖAAB-Bundesobmann August Wöginger auf. "Ich erwarte mir, dass die Rechte der Arbeitnehmer mehr in den Fokus seiner Arbeit treten", sagte die Landesrätin am Montag zur APA. Sie habe das Gefühl, dass die Arbeitnehmer in seiner Arbeit oft in den Hintergrund treten, so Palfrader.

"Ich verstehe zwar, dass die Funktion des Klubobmanns eine überbündische Arbeit verlangt, aber man muss auch wissen, wo man steht", betonte die ABB-Landesobfrau. Sie sehe sich den Arbeitnehmern verpflichtet, weshalb sie kommenden Montag ein Vier-Augen-Gespräch mit Wöginger suchen werden. "Es ist wichtig Differenzen auszuräumen und es ist wichtig, das Face-to-Face zu tun", so Palfrader.

Sie orte auch im AAB anderer Bundesländer eine ähnliche Haltung, wie sie sie selbst vertrete. Aber es gebe noch keine Absprache bzw. keinen Rundruf unter den Bundesländern. Außerdem möchte sie dem Gespräch kommender Woche mit Wöginger nicht vorgreifen, fügte die Landesrätin hinzu.

Kritik aus Partei

Der ÖAAB hat Kritik der Tiroler Kollegen an Bundesobmann August Wöginger am Montag zurückgewiesen. Generalsekretär Christoph Zarits kritisierte in einer Aussendung seinerseits Palfrader, weil diese den Sitzungen des ÖAAB-Bundesvorstandes seit 2017 fern bleibe. Auch die Kritik am inhaltlichen Kurs des AAB unter Wöginger weist sein Generalsekretär zurück und lobt etwa die Einführung des Familienbonus. Zarits betont außerdem, dass das für kommenden Montag geplante Gespräch Palfraders mit Wöginger auf dessen Initiative hin vereinbart worden sei.

AK-Chef Erwin Zangerl und Landesrätin Beate Palfrader schlägt nach ihrer Kritik an Klubobmann und ÖAAB-Chef August Wöginger Unmut aus den Reihen der Tiroler ÖVP-Nationalratsabgeordneten entgegen. "Wiederholt den Klubobmann öffentlich anzugreifen, ist nicht hilfreich", äußerte etwa der Sprecher der Tiroler Abgeordneten im Nationalrat, Hermann Gahr, gegenüber der APA sein Unverständnis.

Ihm gehe es um einen "ordentlichen Stil und Umgang" miteinander, daher halte er eine solche Vorgangsweise für nicht richtig, so der Bauernbündler. Wenn man unzufrieden ist, sollte man dies "intern äußern". Die Tiroler Mandatare stünden "geschlossen" hinter Wöginger, dieser leiste hervorragende Arbeit, meinte Gahr. Er könne auch "kein Missverhältnis" feststellen hinsichtlich des Einsatzes für die Arbeitnehmer auf der einen und für die Wirtschaft auf der anderen Seite.

"Ich weise die Kritik an Wöginger zurück. Alle ÖVP-Abgeordneten stehen geschlossen hinter dem Klubobmann", assistierte Abg. und Seilbahnchef Franz Hörl gegenüber der APA. Dieser habe einen "beinharten Job". Wöginger arbeite "rund um die Uhr", lobte Hörl, und fügte dahin gehend in Bezug auf Palfrader und Zangerl hinzu: "Dass die Kritik an ihm ausgerechnet von einer Seite kommt, die es sich damit traditionell leichter macht, finde ich bezeichnend."

Auch ÖVP-Abgeordneter Josef Lettenbichler war mit der Vorgangsweise von Zangerl und Palfrader ganz und gar nicht einverstanden. Zangerl würde mit seinen Angriffen auf Wöginger wegen dessen Aussagen zu den AK-Wahlen eine "bewusste Fehlinterpretation" betreiben. Man müsse sich jedenfalls Gedanken machen, wie man die Wahlbeteiligung bei Arbeiterkammerwahlen wieder in die Höhe bringe. Es sei jedenfalls "schade", dass Kritik derart öffentlich geäußert werde.