Politik | Inland
27.06.2018

12-Stunden-Tag hat für KTM "nicht die große Bedeutung"

Aufgrund des Schichtarbeitsmodells würde KTM nicht stark auf die geplante Arbeitszeitflexibilisierung setzen.

Der expandierende Motorradhersteller KTM mit Sitz in Mattighofen (OÖ) würde aufgrund des Schichtarbeitsmodells nicht stark auf die von der ÖVP-FPÖ-Regierung geplante Arbeitszeitflexibilisierung setzen. "Wir haben zwei bis drei Schichten", sagte KTM-AG-Vorstand Hubert Trunkenpolz am Mittwoch vor Journalisten in Wien. Der 12-Stunden-Tag habe deswegen für KTM "nicht die große Bedeutung".

Für den österreichischen Wirtschaftsstandort sei eine Arbeitszeitflexibilisierung aber "sicher nicht abträglich", so der KTM-Vorstand. KTM-Chef Stefan Pierer spendete Anfang September 2017 im Nationalratswahlkampf insgesamt 436.563 Euro an die Bundespartei der Österreichischen Volkspartei (ÖVP).

Siebentes Rekordjahr in Folge

2017 erzielte die börsennotierte KTM Industries das siebente Rekordjahr in Folge. Der Umsatz wuchs um 14 Prozent auf 1,53 Mrd. Euro, das Betriebsergebnis um 8 Prozent auf 132,5 Mio. Euro. Das Ergebnis nach Steuern sank dagegen von 89,0 auf 83,9 Mio. Euro. Von den fast 6.000 Mitarbeitern sind 75 Prozent in Österreich tätig. 2017 verkaufte das Unternehmen 238.334 Motorräder der Marken KTM und Husqvarna, das entspricht einem Plus von mehr als 17 Prozent.

KTM wird 2018 laut Trunkenpolz rund 210.000 Motorräder produzieren. Der indische Hersteller Bajaj plant im Rahmen der Partnerschaft mit KTM heuer 40.000 bis 50.000 Motorräder herzustellen. Bis zum Geschäftsjahr 2022 hat sich KTM einen jährlichen Absatz von 400.000 Motorrädern zum Ziel gesetzt.

Kurz ruft zur Sachlichkeit auf

Die Regierung ist am Mittwoch vor ihrer Sitzung im Bundeskanzleramt von Demonstranten gegen den 12-Stunden-Tag empfangen worden. Im Pressefoyer verteidigten die Koalitionsspitzen ihre Pläne zur Arbeitszeitflexibilisierung. Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) rief alle Beteiligten einmal mehr zur Sachlichkeit auf - es sei weder angebracht, zu jubeln, noch mit "falschen Fakten" Ängste zu schüren.

Demonstranten des ÖGB hatten sich am Vormittag mit Schildern, auf denen die Zahlen 12 und 60 durchgestrichen waren, vor dem Kanzleramt postiert, um gegen die Pläne zur Arbeitszeitflexibilisierung zu protestieren. Für Samstag plant die Gewerkschaft eine Groß-Demo in Wien.

Er finde es gut, dass in Österreich jeder die Möglichkeit habe, seine Meinung kundzutun, betonte Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP). Er bekräftigte aber auch, dass auch mit den vorgelegten Neuerungen die Normalarbeitszeit bei acht Stunden pro Tag bleibe. Es werde auch noch einmal eine Präzisierung geben, damit nichts falsch verstanden werden könne. Am Ende des Tages werde aber das Parlament eine Entscheidung treffen, das schließlich von der Bevölkerung legitimiert sei.

"Niemand kann gezwungen werden, länger arbeiten zu müssen", versuchte auch Vizekanzler Heinz-Christian Strache ( FPÖ) zu beruhigen. Wenn das Gesetz erst einmal in Kraft sei, werde die "Panikmache" wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen, ist er überzeugt. Die Panikmacher sieht der FPÖ-Chef offensichtlich vor allem in der SPÖ, zu der er unter anderem anmerkte, dass diese selbst im "Plan A" eine Arbeitszeitflexibilisierung gefordert habe. Die Kritiker erinnerte er daran, dass laut EU-Vorgabe in einem Zeitraum von 17 Wochen die durchschnittliche Arbeitszeit ohnehin 48 Wochenstunden nicht überschreiten darf. Schön langsam wisse er, warum man bei der Matura in Mathematik so schlecht abschneide, witzelte er: "Wenn man der SPÖ zuhört, da muss man ja mathematisch scheitern."